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MAI 2010: Ich greife vermehrt zu Produkten mit dem Hinweis „mit natürlicher Fruchtsüße". Ist der aus Früchten gewonnene Zucker gesünder als der herkömmliche Kristallzucker und tue ich meiner Familie damit Gutes?Frage des Monats Mai 2010:Ich greife vermehrt zu Produkten mit dem Hinweis „mit natürlicher Fruchtsüße". Ist der aus Früchten gewonnene Zucker gesünder als der herkömmliche Kristallzucker und tue ich meiner Familie damit Gutes? Antwort der foodwatch-Ernährungsberaterin Katrin Glang:Auf immer mehr Joghurts, Säften, Softdrinks, Süßigkeiten oder Müslis findet sich die Aufschrift „ohne Haushaltszucker“ oder „mit natürlicher Fruchtsüße“. Gesundheitsbewusste Verbraucher greifen da gerne zu, weil die Süße aus der Frucht irgendwie gesund klingt. Doch das ist ein Irrtum.
Natürlicher Fruchtzucker kommt in Früchten und Honig vor. Die industriell verwendete Fruchtsüße hingegen wird vor allem aus Maisstärke oder Maissirup gewonnen - und ist eine Mischung aus viel Fruktose und einem kleineren Anteil Glukose. Diese vermeintlich gesündere Süße enthält keine weiteren Nährstoffe aus der Ursprungsfrucht, wie es der Name vielleicht vermuten ließe. Dafür liefert sie jedoch annähernd so viele Kalorien und ist ähnlich zahnschädlich wie Kristallzucker.
Wie Fruktose – auch Fruchtzucker genannt – auf den menschlichen Organismus wirkt, ist in den vergangenen Jahren genauer untersucht worden. Lange schon ist bekannt, dass Fruchtzucker den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen lässt als Kristallzucker. Das ist auch der Grund, warum er in klassischen Diabetiker-Produkten verwendet wird. Doch der Verzehr von Fruchtzucker birgt nach dem derzeitigen Wissenstand auch gewisse Risiken.
Studien weisen daraufhin, dass wir von mit Fruktose gesüßten Produkten unter Umständen viel mehr essen als von den mit Haushaltszucker gesüßten Lebensmitteln. Eine mögliche Erklärung: Sie machen nicht satt. Wenn der Mensch herkömmlichen Zucker zu sich nimmt, reagiert der Körper mit einer Insulinausschüttung. Das signalisiert dem Gehirn Sättigung. Bei dem Verzehr von Fruktose wird zunächst verzögert und dann auch nur eine deutlich geringere Menge Insulin produziert. Das Sättigungsgefühl bleibt aus und der Mensch isst mehr als er braucht. Langfristig macht das dick. Daher ist es eher kritisch zu sehen, dass immer mehr Produkte mit der „natürlichen Süße aus Früchten“ gesüßt werden. Außerdem haben Studien ergeben, dass übermäßiger Fruchtzuckerkonsum vor allem ungesundes Bauchfett generiert. Das Fett um die Bauchorgane erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Des Weiteren steht Fruktose unter Verdacht, sich negativ auf den Fettstoffwechsel, die Insulinempfindlichkeit und die Harnsäurewerte auszuwirken. Dies wird aber nach wie vor untersucht und ist noch nicht endgültig geklärt
Tipp: Bis die tatsächlichen Wirkungen von Fruktose einvernehmlich erforscht sind, plädiere ich für einen maßvollen Umgang mit Fruktose als Süßungsmittel. Kaufen Sie die puren Lebensmittel – beispielsweise Joghurt – und verfeinern sie diese mit echten Früchten. Wenn Sie es gerne süßer mögen: Süßen Sie, ob mit Frucht- oder Kristallzucker, selbst nach, denn wer den Zuckergehalt selbst bestimmt, verwendet meistens weniger Süße als die Industrie in ihren Fertigprodukten.
Übrigens: Auch andere Zuckervarianten wie beispielsweise Milchzucker enthalten dieselben Kalorien wie "klassischer Haushaltszucker" und können somit im Übermaß genossen auch den Fettaufbau fördern. Eine besonders ungünstige Mischung sind die noch stark zusätzlich gezuckerten Milchmixgetränke, die aufgrund ihrer cremig-flüssigen Konsistenz auch kaum sättigend wirken. Den hohen Zuckergehalt dieser vermeintlich ausgewogenen Lebensmittel würde die Nährwertampel auf einen Blick entlarven.
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