Echt künstlich
05.03.2007
Dem Autor Hans-Ulrich Grimm ("Die Suppe lügt") kommt das Verdienst zu, die Gefahren von Zusatzstoffen im Essen hartnäckig auszuleuchten. In seinem neuesten Buch "Echt künstlich" dokumentiert er eindinglich, wie Verbraucher und besonders Kinder durch den sorglosen Umgang mit Zusatzstoffen und das Wegschauen der Politik gefährdet werden.
Ein
Beispiel ist Zitronensäure (E330). Sie wird immer dann eingesetzt, wenn etwas
frisch und fruchtig schmecken soll. Zitronensäure greift die Zähne stark an und
fördert die Aufnahme von Metallen wie Blei und Cadmium ins Blut. Die aggressive
Säure kommt auch als Entkalker für Kaffeemaschinen oder als WC-Reiniger zum
Einsatz. Dann sind allerdings Warnhinweise vorgeschrieben. Der politische
Skandal ist, dass bis heute nicht untersucht worden ist, wie viel Zitronensäure
beispielsweise Kinder tatsächlich zu sich nehmen. Es wird einfach nicht
erfasst, wie viel Gummibärchen und Softdrinks die Kleinen verzehren.
Aromen,
Farbstoffe, Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe leisten den
Herstellern von Lebensmitteln wundersame Hilfe. Die Zusatzstoffe peppen
minderwertige Rohstoffe auf. Das spielt im Wettbewerb eine wichtige Rolle, denn
in der Nahrungsmittelproduktion fallen die meisten Kosten bei den Rohstoffen an.
Für die Verbraucher sind Zusatzstoffe meist nur erkennbar an den sogenannten
E-Nummern, was sich dahinter verbirgt, ist wenig transparent.
In der Europäischen Union (EU)
sind über 300 Zusatzstoffe zugelassen. Ein großer Teil von ihnen steht im
Verdacht, die Gesundheit zu schädigen. Im umfangreichen Lexikon-Teil von Grimms
Buch werden alle zugelassenen Substanzen kurz dargestellt und bewertet.
Handlich und verständlich.
Echt künstlich. Das Dr. Watson Handbuch der
Lebensmittel-Zusatzstoffe.
Hans-Ulrich Grimm
Dr. Watson Books, Stuttgart 2006
240 Seiten
19,80 Euro (gebundene Ausgabe)
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