Vor allem Cassia-Zimt auf dem deutschen Markt
26.10.2006
Rund zwei Drittel des nach Deutschland eingeführten Zimts stammen aus Indonesien und China, sind also wahrscheinlich Cassia-Zimt.
Ceylon-Zimt (auch: Kaneel oder Canehl) ist in
der Regel teurer als Cassia-Zimt. Er wird aufwändiger entrindet und gilt als
edler im Geschmack. Nach den Zahlen des Statistischen Amtes der Europäischen
Gemeinschaften (Eurostat) kostete eine Tonne dieses Zimts im Jahr 2005 zwischen
rund 1.000 und 3.600 Euro - je nachdem, ob er gemahlen oder im ganzen Stück
eingeführt wurde und aus welchem Land er stammte. Der Preis für Cassia-Zimt lag
zwischen rund 700 Euro und 1.700 Euro pro Tonne.
Deutschland importiert pro Jahr 3.000 Tonnen Zimt
Nach Angaben von Eurostat wurden im Jahr 2005
ingesamt rund 3.000 Tonnen Zimt nach Deutschland eingeführt. Rund ein Drittel
davon stammt aus Sri Lanka und Brasilien, ist also mit hoher Wahrscheinlichkeit
Ceylon-Zimt. Die restlichen zwei Drittel des eingeführten Zimts stammen vor
allem aus Indonesien und China, repräsentieren also vermutlich den Anteil des
Cassia-Zimts.
Diese Marktaufteilung scheint nicht immer so
gewesen zu sein: In einem Fachartikel über Zimtanalytik aus dem Jahr 1995 wird
noch berichtet, dass nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik zunächst
vor allem Padang-Zimt (eine spezielle Cassia-Sorte) gehandelt wurde, nun aber "seit vielen Jahren" wieder überwiegend Ceylon-Zimt im Handel sei.
Widersprüchliche Aussagen der Industrie
Die Import-Zahlen von 2005 sind auch in anderer
Hinsicht bemerkenswert. Zum einen, weil der Bundesverband der Süßwarenindustrie
(BDSI) auf seiner Internetseite schreibt, dass Ceylon-Zimt auf dem deutschen
Zimtmarkt praktisch keine Rolle spiele. Zum anderen, weil neben dem BDSI auch der Geschäftsführer des Fachverbandes der
Gewürzindustrie behauptet, dass der Zimt aus Ceylon in Deutschland gar nicht
verkauft werden dürfe, weil er bei der Produktion grundsätzlich geschwefelt würde.
Angesichts eines doch erheblichen Marktanteils
von Ceylon-Zimt haben entweder die Wareneingangskontrolleure geschlampt oder
die Wirtschaftsverbände gelogen.
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