Wie gefährlich ist Cumarin?
26.10.2006
Um beurteilen zu können, ob bestimmte Substanzen
in Lebensmitteln eine potenzielle Gefahr für die Bevölkerung darstellen, muss
neben der Giftigkeit der Substanz auch beurteilt werden, wie viel von den
betroffenen Lebensmitteln im Durchschnitt gegessen wird.
EFSA: Verzehrte Cumarinmengen unbedenklich
Die europäische Behörde für
Lebensmittelsicherheit (EFSA) kam 2004 zu dem Ergebnis, dass ein Erwachsener
durchschnittlich rund 1,5 Milligramm Cumarin pro Tag aufnimmt.
Damit waren die Bedenken gegen Cumarin vom Tisch, denn ein 60 Kilogramm
schwerer Mensch würde danach mit rund 0,025 Milligramm pro Kilogramm
Körpergewicht deutlich weniger Cumarin zu sich nehmen, als es der TDI
(tolerierbare täglich Aufnahmemenge, bei Cumarin 0,1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht) erlaubt.
BfR: Falsche Annahmen über Cumaringehalt von Lebensmitteln
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat
erhebliche Zweifel an dieser Abschätzung. So hat sich die EFSA in ihrer
Risikoabschätzung nicht etwa an der tatsächlich gefundenen Cumarin-Belastung
von Zimt orientiert, sondern angenommen, dass die im Handel befindlichen
zimthaltigen Produkte den gesetzlichen Grenzwert von zwei Milligramm Cumarin
pro Kilogramm Lebensmittel nicht überschreiten.
Aufnahme von Cumarin auch über Kosmetika
Ein weiterer eklatanter Mangel der
EFSA-Risikoabschätzung: Die Aufnahme von Cumarin über die Haut durch
entsprechend parfümierte Kosmetika wird zwar erwähnt, bleibt aber
unberücksichtigt. Dabei
wird bereits aus einer überschlägigen Betrachtung der Produktionsmenge von
synthetischem Cumarin deutlich, dass die über diesen Pfad aufgenommene Menge
bedeutsam ist. Eine Untersuchung aus dem Jahr 1999 kommt gar zu dem Schluss,
dass Erwachsene über die Haut doppelt so viel Cumarin aufnehmen wie über die
Nahrung. Da eine Regulierung von Cumarin in Kosmetika derzeit überhaupt nicht diskutiert
wird, ist es umso wichtiger, auf Lebensmittel zu drängen, die möglichst wenig
Cumarin enthalten. Nur so lässt sich die Gesamtbelastung schnell senken.
Kinder nehmen viel Cumarin auf
Nicht zuletzt kritisiert das BfR, dass Kinder,
die möglicherweise eine besonders starke Konsumentengruppe darstellen, in der
EFSA-Bewertung völlig unberücksichtigt bleiben. Das BfR selbst kommt zu dem
Schluss, dass die Zwei- bis unter Fünfjährigen im schlechtesten Fall täglich
bis zu 0,27 Milligramm Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen - also
fast dreimal so viel, wie der von der EFSA festgesetzte tolerierbare Wert.
Problematisch: Zimt als Nahrungsergänzungsmittel
Besonders stark gefährdet seien im Übrigen
Menschen, die versuchen, ihren Blutzuckerspiegel mit Hilfe von Zimt-Kapseln in
den Griff zu bekommen. Diese Patienten schöpfen die täglich duldbare Menge an
Cumarin bereits durch die Einnahme dieser Kapseln völlig aus.
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