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Biosprit

Biosprit treibt die Nahrungsmittelpreise nach oben



Biosprit treibt die Nahrungsmittelpreise nach oben

15.05.2008

Beim Thema Biosprit ziehen Auto- und Bauernlobby an einem Strang. Und die deutsche Regierung macht Politik in deren Sinne. Wenn die Regierungspläne Realität werden, ist der Klimapolitik nicht gedient. Auch die Verbraucher in Europa und weltweit werden darunter leiden.

 

Die Europäische Union und Deutschland planen, den Anbau von Pflanzen, aus denen Sprit für Kraftfahrzeuge hergestellt wird, massiv zu fördern. Dieser soll herkömmlichem Benzin oder Diesel beigemischt werden. Dadurch können der Einsatz von Rohöl und somit Treibhausgasemissionen reduziert werden. Zwar geben auch die Pflanzentreibstoffe beim Verbrennen Kohlendioxid ab; weil sie aber während ihres Wachstums auf dem Acker der Atmosphäre ebenso viel Kohlendioxid entzogen haben, werden insgesamt weniger Treibhausgase an die Umwelt abgegeben als ohne die Beimischung von Biosprit zu herkömmlichen Treibstoffen.

Was in der Theorie erst einmal überzeugend klingt, wirkt sich in der Praxis negativ aus, denn die Verbraucher und Steuerzahler werden gleich mehrfach über den Tisch gezogen, und positive Auswirkungen auf den Klimaschutz sind minimal. Das lässt sich am Beispiel von Diesel aus Raps illustrieren. Die Bauern erhalten pro Hektar, auf dem sie Raps anbauen, 300 Euro Steuersubventionen. Der Staatshaushalt verliert obendrein Geld, weil Autofahrer für Rapsdiesel nur ein Drittel der üblichen Mineralölsteuer bezahlen. Etwa eine Milliarde Euro fehlen dieses Jahr dadurch für andere Staatsaufgaben, etwa für Bildung.

Nahrungsmittelpreise steigen

Dabei bleibt es nicht. Die Milliardenverschwendung treibt auch die Nahrungsmittelpreise in die Höhe. 15 Prozent Pflanzensprit will die Regierung bis 2020 per Gesetz dem herkömmlichen Benzin und Diesel beimischen. Dafür würde in Deutschland die Hälfte des verfügbaren Ackerlandes gebraucht und stünde für die Nahrungsmittelproduktion nicht mehr zur Verfügung.

Kein Gewinn für das Klima

Zu allem Überfluss bringt Biotreibstoff aus Pflanzen für den Klimaschutz wenig. Mit dem Anbau von Raps beispielsweise lässt sich nur auf den ersten Blick Kohlendioxid vermeiden. Zwar binden die Pflanzen das Kohlendioxid, das sie als Biodiesel später wieder ausstoßen. Gleichzeitig wird aber bei der Produktion von Raps viel Energie für Düngemittel und Transport sowie für Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Dies verschlechtert die Kohlendioxid-Bilanz und verteuert die Einsparung durch Biosprit. Mit dem gleichen Aufwand könnten anderswo weit mehr Treibhausgase eingespart werden, beispielsweise durch Wärmedämmung oder Windenergie. Die Bürger bekommen daher zusätzlich zur steuerlichen Belastung auch noch eine schlechte Klimapolitik.

Selten waren sich alle so einig: Von der Nahrungsmittelindustrie über die Wissenschaft, Regierungsinstitutionen (Umweltbundesamt, Wissenschaftlicher Beirat beim Verbraucherministerium) bis hin zu den Umweltverbänden und internationalen Organisationen - es gibt keine ernst zu nehmende Stimme, die den geplanten Wahnsinn gutheißen würde. Professor Stefan Tangermann, Direktor für Handel und Landwirtschaft bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), warnt in einem Interview: "Der Rat der OECD an die Regierungen unserer Mitgliedsländer ist, noch einmal gründlich nachzudenken, ob sie diese Politik wirklich beibehalten wollen."

Seehofer auf der Seite der Bauernlobby

Gegen alle Vernunft behauptet jedoch Minister Horst Seehofer, sekundiert vom Bauernverbands-Präsident Gerhard Sonnleitner: "Biosprit hilft, das Klima zu schützen" und solle nicht zum Grundübel für steigende Lebensmittelpreise erklärt werden. Ein merkwürdiger Standpunkt, sind sich doch die Experten auch darüber einig, dass für die aktuell weltweit steigenden Lebensmittelpreise im Wesentlichen das "rücksichtslose" (Die Zeitschrift "Econmist") Ethanolprogramm der USA verantwortlich ist, das 2007 ein Drittel der US-Maisernte für das Herstellen von Sprit verwendet hat.

Dass sich die Vernunft am Ende doch durchsetzt, ist keineswegs sicher. Denn es haben sich zwei der mächtigsten Lobbyvertretungen überhaupt zusammengetan: Die Bauern und die Autoindustrie. Ein veritabler "Lobbygau". Es kommt auf alle Verbraucher an, ob sie sich das gefallen lassen.