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Zusammenfassung

Wahlprogramme mit Defiziten




24.08.2005

Die Analyse der Wahlprogramme zur Bundestagswahl 2005 zeigt: Alle Parteien vermischen die Verbraucher- und Agrarpolitik und bleiben deshalb eine klare verbraucherpolitische Konzeption schuldig.

 
Falsche Konzepte der bisherigen Regierung:
  • Die Agrarwende bezog sich nur auf die ökologische Landwirtschaft - ein Nischensektor wurde gefördert, der Massensektor blieb weitgehend unberücksichtigt.
  • Der Verbraucherschutz wurde mit der Agrarwende gekoppelt - damit dominierte das moralisierende Leitbild vom "guten" Verbraucher, der Bioprodukte kauft.
  • Die Kombination von Verbraucherschutz und Landwirtschaft in einem Ministerium ist nachteilig, da Landwirte und Verbraucher unterschiedliche Interessen haben.
Die falschen Konzepte führten zu einer mageren Bilanz:
  • Sowohl die Agrarwende als auch die Qualitätswende sind im Ansatz stecken geblieben und damit gescheitert.
  • Die Futter- und damit die Lebensmittelsicherheit haben sich nicht erhöht.
  • Der gesundheitliche Verbraucherschutz hatte keinen Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen.
  • Die Sorge um "dicke Kinder" und ungesunde Ernährung erschöpfte sich in Symbolpolitik.
  • Den guten Gentechnologie-Anwendungsgesetzen steht ein Demokratierechtsdefizit für die Verbraucher gegenüber: Bei tierischen Lebensmitteln gibt es keine Wahlfreiheit für oder gegen Gentechnologie.
  • Das Verbraucherinformationsgesetz ist am Widerstand des Bundeskanzlers und der Bundesländer gescheitert.
  • Das Verdienst von Bundesministerin Künast ist ein kommunikatives: Sie hat die Ökolandwirtschaft aus der Nische geholt und Verbraucherschutz zum Thema gemacht.
Wahlprogramme mit Defiziten:
  • Keine Partei hat ein Konzept für eine europäische Landwirtschaft im globalen Markt.
  • Alle Parteien vermischen die Verbraucher- und Agrarpolitik und bleiben deshalb eine klare verbraucherpolitische Konzeption schuldig.
  • Trotz richtiger Forderungen nach Verbraucherrechten schreiben Bündnis 90/Die Grünen die falschen Konzepte fort.
foodwatch fordert:
  • Das Ende der Europäischen Agrarmarktordnung, verbunden mit einem Abbau der Subventionen und der Handelshemmnisse gegenüber Entwicklungsländern. Die Subventionen für Sonderleistungen der Landwirte sollen nationalstaatlich organisiert werden.
  • Höhere Lebensmittelsicherheit durch versicherungspflichtige Haftungsvorschriften für die Hersteller und verschärfte Sanktionen für Hersteller und Handel. Informations- und Klagerechte für Verbraucher und ihre Verbände.
  • Die Zuständigkeit des Bundes für effektive und zeitgemäße Lebensmittelkontrollen (zu vereinbaren im Rahmen der Föderalismuskommission.
  • Ein staatlich garantiertes Gütesiegel zur eindeutigen Unterscheidung von Basis-, Mittel- und Premium-Qualität bei konventionellen Lebensmitteln. Der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) muss das Werbemonopol für landwirtschaftliche Produkte entzogen werden.
Diese Maßnahmen sind eine Chance für die Politik: Reformen, die nichts kosten!

Tipp: Lesen Sie die ausführliche Analyse im PDF-Dokument unter "Dokumente & Links". Diese Zusammenfassung ist diesem Dokument entnommen (siehe Seite 3-4).