Die Ergebnisse der foodwatch-Recherchen
14.01.2004
Die Ergebnisse der foodwatch-Recherchen zum QS-Prüfzeichen Qualität und Sicherheit sind im QS-Report "Auf der Suche nach der versprochenen Qualität" umfassend dokumentiert. Hier finden Sie eine Kurzfassung der Ergebnisse, die sie im Report (pdf) auf Seite 3-5 ausführlicher finden.
QS als Rückverfolgbarkeitssystem
"QS - Qualität und Sicherheit" ist ein im Aufbau
befindliches Dokumentations- und Rückverfolgbarkeitssystem. In der
Europäischen Union ist die lückenlose Rückverfolgbarkeit ab 01.01.2005
verbindlich für alle Lebensmittel vorgeschrieben.
Trügerisch: Das Versprechen von "Qualität und Sicherheit"
Die Produktwerbung mit dem QS-Zeichen suggeriert
besondere Güteeigenschaften, welche durch das QS-System nicht gewährleistet
werden. Lediglich die Einhaltung bestehender oder in naher Zukunft geltender
Gesetze wird garantiert. Die Verwendung der Begriffe "Qualität" und
"Sicherheit" wird weder durch die QS-Systemanforderungen gerechtfertigt, noch
seitens der QS-GmbH konkret und nachvollziehbar beschrieben. Dadurch werden
Assoziationen und Erwartungen bei den Verbrauchern geweckt, die durch das
QS-Siegel nicht gedeckt sind.
Systembedingt: Mängel sind hausgemacht
Das QS-Zeichen weist
zahlreiche Mängel auf. Einige können der Tatsache zugeschrieben werden, dass
das gesamte System sich noch im Aufbau befindet. Etliche Mängel jedoch sind
systembedingt. Dazu gehören beispielsweise unterschiedliche QS-Standards, die
es sogar erlauben, dass nach QS-Maßstäben mit schweren Mängeln behaftete
Betriebe die Systemzulassung erhalten. Die Verbraucher erfahren davon
in der Werbung und auf den Produkten nichts.
Problematisch: Wirtschaft verleiht sich selbst ein
Siegel
Die Anforderungen des QS-Siegels werden nicht von
neutraler Stelle definiert, sondern von den wirtschaftlich Betroffenen,
nämlich den Fachverbänden der Agrar-, Futtermittel und
Lebensmittelwirtschaft, die als Gesellschafter der QS-GmbH fungieren. Die
inhaltliche Ausgestaltung des QS-Systems stellt den kleinsten gemeinsamen
Nenner der verschiedenen Interessen dar, da zwischen den Gesellschaftern der
QS-GmbH Interessenkonflikte bestehen und nach Auskunft von QS-Geschäftsführer
Dr. Hermann-Josef Nienhoff alle Entscheidungen im Konsens getroffen
werden.
Ungerecht: Nur der Lebensmittelhandel profitiert
Der Lebensmittelhandel profitiert am meisten, die
Landwirte am wenigsten vom QS-System. Der Lebensmittelhandel erhält mit dem
QS-System ein für ihn kostengünstiges Rückverfolgungssystem, das gesetzlich
ab dem 01.01.2005 gefordert ist. Landwirtschaftliche Betriebe haben im
QS-System vergleichsweise hohe finanzielle und organisatorische Lasten zu
tragen, erwirtschaften bisher jedoch mit dem QS-zertifizierten Schlachttieren
beim Verkauf keinen Mehrerlös.
QS: Der Versuch, Massenware durch ein Siegel zu adeln
Zusammenfassend lässt sich sagen: QS ist der Versuch,
herkömmliche Massenware zu adeln. Es ist eine Strategie der
Lebensmittelwirtschaft, für ihre innerhalb hochgradig rationalisierter und
industrialisierter Strukturen hergestellten Produkte das Vertrauen der
Verbraucher (zurück) zu gewinnen. Insofern unterläuft QS die von der
Bundesregierung mit ihrer "Agrarwende" verfolgte Zielsetzung von "Klasse
statt Masse". QS ist das illusorische Versprechen der Ernährungswirtschaft
von Klasse trotz Masse, von Qualität und Sicherheit zum
Schnäppchentarif.
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