
Qualitätssiegel |

20.09.2005
Durch die BSE-Krise war das Vertrauen der Verbraucher in die Sicherheit der Lebensmittel tief erschüttert. Vor allem Fleisch galt als potenziell gesundheitsgefährdend. Auf der Suche nach Orientierung verirrte sich der Konsument in einem Siegeldschungel: Eine Vielzahl verschiedener Siegel von Erzeugerverbänden und einzelnen Herstellern sorgte und sorgt noch immer für Verwirrung.
Die Lebensmittelwirtschaft sah sich im Zugzwang. Mit der Einführung des QS-Siegels im Jahr 2001 wollten die Unternehmen das Image von Fleisch wieder aufpolieren. Den verunsicherten Verbrauchern sollte das QS-Siegel mit dem Versprechen von Qualität und Sicherheit das verlorene Vertrauen zurückgeben. Es wurde insbesondere für den Bereich der konventionellen Lebensmittel entwickelt. Im Gegensatz zum Bio-Siegel ist QS kein staatliches Prüfzeichen, sondern ein Siegel der Lebensmittelwirtschaft.
Ein Zusammenschluss von Verbänden und Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft - die QS Qualität und Sicherheit GmbH - organisiert die Kontrolle der Erzeugung. Die QS GmbH verspricht "Produktionsprozesse der Lebensmittel vom Feld und Stall bis zur Ladentheke für den Verbraucher transparent zu machen". Das QS-System nennt sich "Bündnis für Lebensmittelsicherheit und aktiven Verbraucherschutz". Gesellschafter sind beispielsweise der Deutsche Bauernverband (DBV), die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH (CMA) und der Deutsche Raiffeisenverband (DRV). Seit 2002 ist bundesweit QS-zertifiziertes Fleisch im Handel erhältlich. 2004 hat die Ausweitung auf Obst und Gemüse begonnen.
foodwatch fordert ein Gütesiegel für konventionell produzierte Lebensmittel, das dem Verbraucher ermöglicht, die Qualität eines Produktes zu erkennen und Qualitätsunterschiede zu beurteilen. Deshalb rechechierte foodwatch die Frage ausführlich: Hält die Lebensmittelwirtschaft mit dem QS-Siegel, was sie verspricht?
Die Antwort lautet ganz klar: Nein. Das QS-Siegel suggeriert Qualität und Sicherheit, die durch das Kontrollsystem nicht gewährleistet werden können. So wurden im Frühjahr 2003 bei Futtermittelherstellern in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen erhöhte Dioxinwerte gemessen. Das belastete Futter wurde auch von QS-zertifizierten Futterherstellern weiterverarbeitet. Lückenlose Qualitätssicherung sieht anders aus. Bei anderen QS-Betrieben gab es Unregelmäßigkeiten mit gesetzlich vorgeschriebenen BSE-Tests. Auch die versprochene Rückverfolgbarkeit vom Schnitzel zurück bis zum Erzeuger-Betrieb war und ist nicht gegeben. Und QS-Mitglied "Real" wurde beim Umetikettieren von Hackfleisch ertappt. So ist das QS-Siegel lediglich ein Versuch der Lebensmittelwirtschaft, unter Beibehaltung ihrer allzuoft Qualitäts-verhindernden Strukturen herkömmliche Massenware zu adeln.
Weitere Informationen zum Thema |
Der foodwatch QS-Report
QS-GmbH benennt Prüfzeichen um
"Qualität und Sicherheit" im foodwatch-Test