
Erfolg |

30.10.2005
Fazit der foodwatch-Recherchen zum QS-Prüfzeichen: Weder die Qualitäts- noch die Sicherheitsversprechungen werden eingelöst. So bemängelt foodwatch unter anderem lückenhafte Kontrollen, die Verleihung des QS-Siegels an Betriebe, die noch gar nicht überprüft wurden und die Ausrichtung der QS-Kriterien an ohnehin bestehenden gesetzlichen Standards.
Der Deutsche Bauernverband (DBV), der QS mit trägt, wies die foodwatch-Kritik noch am Tag der Veröffentlichung des QS-Reports empört zurück. In einer Pressemitteilung vom 14.01.2004 erklärte der DBV, die Analyse von foodwatch gehe "völlig an der Zielsetzung von QS vorbei". foodwatch kritisiere "Nebensächlichkeiten".
Im Juni 2004 muss die QS-GmbH foodwatch jedoch Recht geben. In einer Selbstanalyse (siehe "Dokumente & Links") gesteht die QS-GmbH die foodwatch-Kritikpunkte als hausgemacht und selbstverschuldet ein:
"Die möglichen Missverständnisse, die sich aus der Bezeichnung 'Qualität und Sicherheit' ergeben, dürfen nicht weiter verstärkt werden. Im Rahmen des QS-Systems wird nur insoweit Qualitätsfleisch erzeugt, als dass für eine hochwertige Erzeugung von Nahrungsmitteln die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen notwendige Voraussetzung ist. In diesem Zusammenhang erscheint der unvorteilhafte Report der Organisation 'foodwatch' als hausgemacht."
Zukünftig soll nur noch von "geprüfter Qualitätssicherung" die Rede sein. Ein Ziel von foodwatch ist damit erreicht: Die QS-GmbH wirbt nicht mehr mit der irreführenden Formulierung "Qualität und Sicherheit". Sie gesteht ein, dass lediglich die Einhaltung der Gesetze garantiert wird - mehr nicht. Dies mit einem Siegel zu belohnen, ist jedoch absurd.
Ein im Gegensatz zum QS-Siegel staatlich garantiertes Gütesiegel für verschiedene Qualitätsstufen bei Lebensmitteln ist längst überfällig. Allein im Fleischsektor sorgen weit über 50 verschiedene von Fleischwirtschaft und Handel ersonnene Siegel und Auszeichnungen für Verwirrung beim Verbraucher. Die Kriterien für die unterschiedlichen Qualitäten wie beispielsweise hohe Tierschutz- oder Futterstandards muss der Gesetzgeber festlegen. Wer soll deren Einhaltung garantieren und die korrekte Auszeichnung des Produktes sicherstellen, wenn nicht der Staat? Die Wirtschaft kann dies nicht (verlässlich) selbst kontrollieren.
Klar definierte Qualitätsniveaus sind notwendig: eine Basisqualität auf dem Niveau der Standard-Supermarktware; Premiumangebote, die besondere Merkmale wie etwa ökologische und/oder handwerkliche Erzeugung glaub- und schmackhaft machen können; und ein differenziertes mittleres Angebotsniveau, das sich in wesentlichen Qualitätseigenschaften deutlich und nachprüfbar von der Basisqualität unterscheidet. Das QS-Siegel in seiner derzeitigen Form entspricht nur einer Basisqualität.
foodwatch wird kritisch beobachten, wie sich das QS-Siegel weiter entwickelt. Und die Forderung nach einem staatlichen differenzierten Qualitätssiegel weiter in die Öffentlichkeit tragen.