Teekampagne: Ungewöhnliches Konzept mit Erfolg
15.03.2005
Ein ungewöhnliches Konzept verfolgt Deutschlands erfolgreichster Teeversand, die Teekampagne. Nur eine Teesorte ist im Angebot und hat den Anspruch, sozial- und umweltfreundlich hergestellt zu werden. Im großen Vorratspack wird der Darjeeling direkt an die Kunden geschickt. Wirtschaftsprofessor Dr. Günter Faltin gründete die Teekampagne 1985 unter dem Motto "Kein DDTee".
foodwatch: Was zeichnet die Teekampagne aus? Faltin: Die Vorreiterrolle im Hinblick auf Transparenz. Wir waren die ersten, die jede Charge einer Rückstandskontrolle unterzogen und die Analyse-Ergebnisse konsequent veröffentlicht haben. 1988 wurde uns als erster Adresse in Deutschland das Gütesiegel des Tea Boards of India für 100 Prozent reinen Darjeeling-Tee verliehen. Darüber hinaus veröffentlichen wir unsere Kalkulation und geben den Erntejahrgang und die Namen der einzelnen Teegärten auf dem Etikett der Teetüte an. Inzwischen können wir jedes einzelne Kilogramm bis zu seinem Ursprung zurückverfolgen. foodwatch: Erfolgreiche Geschäftsmodelle werden doch gerne kopiert… Faltin: Es gibt keine vergleichbaren Produkte, weil diese Angaben anderswo als Betriebsgeheimnis betrachtet werden. Aber es gibt Fälschungen, die unsere Packung gezielt nachahmen. Der Tea Board of India schätzt, dass nach wie vor bis zu 40.000 Tonnen Darjeeling Tee verkauft werden, obwohl nur knapp 10.000 Tonnen produziert werden. Wir sind also noch lange nicht am Ziel. In den Anfangsjahren haben wir den Hass des gesamten deutschen Teehandels auf uns gezogen und eine Vielzahl von Prozessen führen müssen. Es gab Übernahmeversuche, aber ein Verkauf der Teekampagne hätte sofort zur Aufgabe der wichtigsten Prinzipien geführt. foodwatch: Hilft Ihnen das deutsche Lebensmittelrecht? Faltin: Es greift oft nicht weit genug, daher halten wir uns an unsere eigenen Standards, die über das Lebensmittelrecht hinausgehen. foodwatch: Ist es möglich, mit Ihrem Konzept einen größeren Marktanteil zu erringen? Faltin: Immerhin sind wir das größte Teeversandhaus in Deutschland geworden - und das, obwohl wir nur mit einer einzigen Sorte handeln. Konsequent auf Verbraucheraufklärung zu setzen lohnt sich durchaus, auch wenn die meisten so genannten Marketingexperten davon abraten. Allerdings reicht es nicht, nur Standards aufzustellen und einzuhalten. Man muss auch günstig wirtschaften: Vor allem bringt der Verzicht auf ein breites Sortiment viele Vorteile. Die Einkaufsmengen sind so groß, dass wir den Zwischenhandel ausschalten können und in der Logistik viel einsparen. Dazu kommen wenig Ausgaben für Verpackungsmaterial, Transport, Lagerhaltung und Verwaltung. Bei uns bekommt man am meisten für sein Geld. foodwatch: Welchen Tee würden Sie kaufen, wenn es die Teekampagne nicht gäbe? Faltin: Ich würde mich über die hohen Preise für guten Tee ärgern und die Teekampagne gründen.
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