
Agrarlobby weicht aus |

27.11.2008
Im August 2008 hatte foodwatch die Ergebnisse einer ausführlichen Studie zum Thema Klima und Landwirtschaft in Berlin vorgestellt. Demnach verursacht die Landwirtschaft in Deutschland ähnlich viele klimaschädliche Gase wie der Straßenverkehr. foodwatch machte Vorschläge, wie die Landwirte den Ausstoß von Treibhausgasen senken können. Doch statt sich mit den inhaltlichen Vorschlägen auseinanderzusetzen, leugneten die Bauern-Vertreter das Problem: Der Bauernverband und der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) verkündeten in seltener Einigkeit, in der Landwirtschaft werde mehr Kohlendioxid abgebaut als freigesetzt.
Doch während BÖLW-Geschäftsführer Dr. Alexander Gerber auf einer Diskussionsveranstaltung in Berlin am 19. November diese Behauptung zumindest mündlich zurücknahm und einräumte, die Regeln der Klimabilanzierung nicht beachtet zu haben, beharrt der Bauernverband auf seiner Haltung: Pflanzen verbräuchten beim Wachsen schließlich Kohlendioxid. Dass dieses bei Futterpflanzen oder Nahrungsmitteln nicht langfristig gebunden wird, sondern nach dem Verzehr über die Atemluft wieder abgeschieden wird, ignorieren die Bauern in ihrer Argumentation. Zudem müsse, so finden sie, die CO2-Bindung der Forstwirtschaft in die Klimabilanz der Landwirtschaft mit eingerechnet werden. Doch dies sehen die internationalen Regeln der Klimabilanzierung, die durch die UN-Klimarahmenkonvention festgelegt sind, nicht vor. Statt sich der Verantwortung zu stellen, kündigte der stellvertretende Generalsekretär des Bauernverbandes Adalbert Kienle in Berlin nun an, diese Regeln durch aktive Lobbyarbeit auf europäischer Ebene ändern zu wollen.
Es kann nicht sein, dass geltende internationale Regelungen außer Kraft gesetzt werden, weil sie der Agrarlobby nicht gefallen! Zudem, ob man nun die Forstwirtschaft gegenrechnet oder nicht: Fakt ist, dass in der Landwirtschaft - ob bei der Herstellung von Düngemitteln, durch die exzessive Tierhaltung oder durch die Entwässerung von Mooren - eine erhebliche Menge schädlicher Klimagase entsteht. foodwatch hat aufgezeigt, dass man diese reduzieren kann - und muss. Denn wenn wir unseren CO2-Ausstoß insgesamt reduzieren wollen, darf ein wichtiger Verursacher wie die Landwirtschaft nicht außen vor bleiben. Jeder klimarelevante Bereich muss seinen Beitrag leisten. Die Landwirtschaft muss endlich Teil der Klimapolitik werden.
"Bode fälscht Klimabilanz" - so die erste Reaktion des Deutschen Bauernverbandes auf die Klimastudie von foodwatch. Mit Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA) wollte die Bauern-Lobby die CO2-Bilanz der Landwirtschaft schönrechnen. Doch dies wies das UBA in einem persönlichen Schreiben an Bauernpräsident Sonnleitner entschieden zurück: "Entspricht nicht der Fachmeinung unseres Hauses." (24.09.2008) mehr»
Ist Bio-Essen tatsächlich besser für das Klima? Und welche Rolle spielt mein persönlicher Fleischkonsum? Diese und andere Fragen beantwortet der foodwatch-Report "Klimaretter Bio?" (25.08.2008). mehr »