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Interview

Imker: Genpflanzen zerstören als "Akt der Notwehr"




Imker: Genpflanzen zerstören als

03.03.2007

Als Mitbegründer der 2005 gestarteten Initiative "Gendreck weg" ruft Jürgen Binder zu zivilem Ungehorsam gegen Agro-Gentechnik auf. In Form von "Feldbefreiungen" werden Gentechnik-Pflanzen aus der Erde gerissen. Der Imkermeister betreibt eine Bioland "Honig-Manufaktur" in Rottenburg am Neckar.

 

foodwatch: Haben Imker besondere Probleme mit der Agro-Gentechnik?

Binder: Bienen befliegen Nektar- und Pollenpflanzen in einem Umkreis von etwa acht Kilometern zum Bienenvolk. Sie wären in Zukunft nicht nur den Spritzmitteln ausgesetzt, was schon schlimm genug ist, sondern auch den im Nektar und Pollen enthaltenen, auf Genmanipulation basierenden Nervengiften. Auf die sind die Gentechnik-Konzerne ja besonders stolz. Man müsse, so deren Behauptung, keine Gifte mehr aussprühen, weil sie ja bereits in den Pflanzen enthalten sind.

foodwatch: Wird es in Zukunft noch Honig ohne Gentechnik geben?

Binder: Die Frage ist, ob es überhaupt noch Lebensmittel ohne Gentechnik geben wird, wenn es der Bevölkerung nicht gelingt, über die Politik, die Medien und ihr bürgerschaftliches Engagement den Anbau und die Verfütterung von diesem Zeug zu verhindern. Über 80 Prozent der Bevölkerung lehnen Gentechnik ja ab.

foodwatch: Könnte man die Wahlfreiheit nicht auch auf dem Rechtsweg erzwingen?

Binder: Das deutsche Gentechnikgesetz sieht keine Klagemöglichkeiten vor. Man muss daher Präzedenzfälle schaffen und das Problem visualisieren. Deshalb haben wir von "Gendreck weg" uns dafür entschieden, Felder öffentlich von Genpflanzen zu befreien. Wir sehen das als Akt der Notwehr an. Und immer mehr Bürger schließen sich uns an. Wir ziehen die Notbremse, bis sich die Bundesregierung ernsthaft mit dem Problem beschäftigt.

foodwatch: Die Bundeslandwirtschaftsminister, zuerst Renate Künast, nun Horst Seehofer, setzen auf Regeln für die sogenannte Koexistenz von Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik. Ist das keine Lösung?

Binder: Pollen schwebt, je nach Pflanzenart, bis zu zwei Stunden in der Luft. Bei einer Windgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde breitet sich das Erbgut innerhalb weniger Tage in halb Deutschland aus. Wer heute noch von Koexistenz redet, versteht nichts von Landwirtschaft!

foodwatch: Polen, Ungarn, Österreich und Griechenland wollen ihre gentechnikfreie Landwirtschaft beibehalten. Ist das kein Weg für Deutschland?

Binder: Jene Länder haben eben verstanden, dass sie ihre Landwirtschaft brauchen. Kanzlerin Angela Merkel und Bundesforschungsministerin Annette Schavan sind immer noch der irrigen Auffassung, dieser Gendreck würde den Hunger auf der Welt lindern und den Technologiestandort Deutschland mit Hunderttausenden von Arbeitsplätzen beglücken. Sie ignorieren aus ideologischer Verblendung die traditionellen Zucht- und Forschungsleistungen im eigenen Land und suchen ihr Heil in den Versprechungen multinationaler Konzerne.