
Interview |

10.09.2004
foodwatch: 80 Prozent aller gentechnisch modifizierten Pflanzen gehen in die Futtermittelindustrie. Doch Produkte wie Fleisch, Eier und Milch müssen laut EU-Verordnung nicht gekennzeichnet werden - auch dann nicht, wenn die Tiere ihr Leben lang Gen-Soja gefressen haben. Kann der deutsche Gesetzgeber diese Irreführung der Verbraucher dulden?
Däubler-Gmelin: Nein, nur geht es nicht allein um deutsche, sondern um alle Verbraucher in Europa. Deshalb hat der Deutsche Bundestag auch die Bundesregierung aufgefordert, auf europäischer Ebene tätig zu werden.
foodwatch: Wie kann diese eklatante Kennzeichnungslücke auf nationaler Ebene geschlossen werden?
Däubler-Gmelin: Ob und wie das gehen könnte, wird derzeit rechtlich exakt durchgeprüft - insgesamt wäre wegen des europäischen Marktes die europäische Regelung viel besser.
foodwatch: Bedarf es für die Kennzeichnung tierischer Lebensmittel einer wissenschaftlichen Nachweisbarkeit von gentechnisch modifizierten Bestandteilen im Endprodukt - obwohl diese Nachweisbarkeit ausdrücklich nicht Voraussetzung für die Kennzeichnung laut EU-Verordnung ist?
Däubler-Gmelin: Ich sehe das nicht so, allerdings ist hier die Prüfung auch noch nicht abgeschlossen.
foodwatch: Im Juni 2004 hat der Bundestag die Regeln für den Anbau von GMO-Nutzpflanzen beschlossen. Dabei hat er die Bundesregierung "ersucht", auf EU-Ebene eine Kennzeichnung tierischer Lebensmittel zu erreichen. Was bedeutet "Ersuchen" genau? Und was unternimmt das Parlament, dieses Ziel in Deutschland zu verwirklichen?
Däubler-Gmelin: Wie schon oben angedeutet, wünscht der Bundestag sich eine EU-Initiative der Bundesregierung zur Schließung der Kennzeichnungslücke. Und die bald, also noch in diesem Herbst. Wir werden auch versuchen, die Kollegen aus dem Europäischen Parlament dazu zu veranlassen.