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Report „Chronisch vergiftet“

Ein Jahr nach Dioxin-Skandal: Aktionsplan gescheitert



Ein Jahr nach Dioxin-Skandal: Aktionsplan gescheitert

12.12.2011

Ein Jahr nach dem großen Dioxin-Skandal 2010/2011 steht fest: Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner ist mit ihrer Politik gescheitert. Wie wenig ihr Aktionsplan für die Prävention wert ist, zeigen erneute Gift-Funde in Futtermittel, die im November 2011 bekannt wurden. Diesmal kam Dioxin über belastete Zuckerrübenschnitzel ins Futter – eine Zutat, die Frau Aigner als „risikoarm“ einstuft und von einer Testpflicht ausnehmen will. Im heute veröffentlichten Report „Chronisch vergiftet“ analysiert foodwatch den Zehn-Punkte-Plan der Ministerin und zeigt, warum er Dioxin-Skandale nicht verhindern kann.

 

Dokumente & Links

Der Aktionsplan, den Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner als Reaktion auf den Dioxin-Skandal am 14. Januar 2011 verkündet hat, enthält zehn Punkte. Sechs dieser Vorhaben sind nach heutigem Stand als weitgehend wirkungslos einzustufen, die anderen vier als vollständig wirkungslos. Zu diesem Ergebnis kommt der Report „Chronisch vergiftet“, den foodwatch heute veröffentlicht hat. Nur eine der angekündigten Maßnahmen, die Verpflichtung der Futtermittelbetriebe zu umfassenden Dioxintests, war potenziell geeignet, Dioxineinträge in die Nahrungskette zu vermeiden – ausgerechnet diese wurde jedoch seit Vorstellung des Aktionsplans im Januar 2011 durch Verfahrenstricks bis zur Wirkungslosigkeit abgeschwächt.

Nur vier Maßnahmen bisher in Kraft

Auch bei der zeitlichen Umsetzung des eigenen Plans ist Ministerin Aigner am selbst formulierten Anspruch gescheitert, „mit Hochdruck“ mehr Sicherheit für Verbraucher durchzusetzen: Ein Jahr nach dem Skandal sind von den zehn angekündigten Regelungen bislang nur vier überhaupt in Kraft getreten.

Organisiertes Politikversagen

Der Aktionsplan und seine Umsetzung sind aus Sicht von foodwatch ein Lehrstück für organisiertes Politikversagen:

Von der einzigen Maßnahme, die geeignet wäre, Dioxineinträge zu verhindern – die lückenlose Test-Pflicht aller Futtermittelbestandteile – ist nur noch die Überschrift übrig. Und unter dieser Überschrift soll heute etwas ganz anderes umgesetzt werden als ursprünglich versprochen. Alle anderen Maßnahmen sind reine Symbolpolitik, die entschlossenes Handeln nur vortäuscht, ohne die Futtermittelindustrie an die Kandare zu nehmen. Das Ziel, Dioxineinträge in die Nahrungskette zu verhindern, wird nicht erreicht.

foodwatch fordert lückenlose Testpflicht

foodwatch fordert die Bundesverbraucherministerin auf, ihrer Verantwortung für die Gesundheit der Verbraucher nachzukommen und die einzige wirkungsvolle Maßnahme zur Vermeidung von Dioxineinträgen ohne Abstriche umzusetzen: Die Betriebe müssen verpflichtet werden, lückenlos alle Bestandteile ihrer Futtermittel auf Dioxin zu testen. Erst, wenn die Testergebnisse vorliegen, dürfen die Zutaten verarbeitet werden – und bei Grenzwertüberschreitungen muss gegenüber den Behörden die Vernichtung der belasteten Chargen nachgewiesen werden.


 

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