Dioxin-Grenzwerte nach Belastung festgelegt
30.05.2007
Bei der Festlegung von Dioxin-Grenzwerten für Lebensmittel geht es nicht nur darum, wie viel Dioxin der Mensch maximal aufnehmen sollte. Berücksichtigt wird auch, wie viel Dioxin ein Lebensmittel durchschnittlich enthält. Das bedeutet: Ist zum Beispiel Aal in der Regel stark mit Dioxinen belastet, werden die Grenzwerte einfach daran angepasst und höher angesetzt.
Dioxine und dioxinähnliche polychlorierte Biphenyle (dioxinlike PCB
= dl-PCB) sind giftig. Sie stehen im Verdacht, krebsauslösend zu sein,
das Immunsystem zu schädigen und reproduktionsschädigend zu wirken.
Nachdem die Europäische Union (EU) im Juli 2002 Grenzwerte für den
Gehalt an Dioxinen in Lebensmitteln erlassen hatte, folgten im Jahr
2006 mit der Verordnung Nummer 199/2006 Grenzwerte für die
dioxinähnlichen PCB. Diese Grenzwerte sind jedoch nicht einheitlich.
Verschiedene tierische Lebensmittel dürfen unterschiedlich stark mit
den giftigen Substanzen belastet sein. Es werden sowohl die relativen
durchschnittlichen Verzehrsmengen eines bestimmten Produkts als auch
seine tatsächliche durchschnittliche Dioxinbelastung berücksichtigt.
Dabei sind gesundheitliche Aspekte nicht allein ausschlaggebend,
sondern auch wirtschaftliche.
Empfohlene maximale tägliche Aufnahme
Nach einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO soll ein
Mensch pro Tag nicht mehr als ein bis vier Pikogramm Dioxine je
Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen. Ein Pikogramm ist ein
Billionstel Gramm. Für einen 70 Kilogramm schweren Menschen bedeutet
dies eine maximale tägliche Aufnahme von 280 Pikogramm.
Die EU strebt an, ihren Bürgern täglich nicht mehr als ein Pikogramm
je Kilogramm Körpergewicht beziehungsweise eine Gesamtaufnahme von 70
Pikogramm zuzumuten. Noch liegt die durchschnittliche Dioxinaufnahme in
der EU aber deutlich höher: Ein bis zwei Pikogramm werden pro Kilogramm
Körpergewicht und Tag durchschnittlich aufgenommen.
Festlegung der Grenzwerte
Die spezifischen Grenzwerte für die Dioxinbelastung von bestimmten
Lebensmitteln legt die EU fest. Inwiefern hierbei pragmatische und auch
ökonomische Gesichtspunkte eine Rolle spielen, zeigt das Beispiel des
Aals: Für den fettreichen Aal lässt die EU einen höheren Grenzwert
gelten als als für andere Fische. Er darf zwölf Pikogramm Dioxine und
dioxinähnliche PCB pro Gramm enthalten. Läge der Grenzwert niedriger,
könnte Aal kaum noch verkauft werden, weil er weniger belastet so gut
wie nicht auf dem Markt verfügbar ist. Aus dem gleichen Grund gelten
auch für die fettreichen Lebern von Landtieren wie Kälbern und
Schweinen hohe Grenzwerte. Sie dürfen zwölf Pikogramm Dioxine und
dioxinähnliche PCB pro Gramm Fett enthalten, Schweinefleisch
hingegen nur 1,5 Pikogramm.
foodwatch fordert vorsorgenden Verbraucherschutz
Das Problem: Ein niedriger Pro-Kopf-Verbrauch - also eine geringe
durchschnittliche Verzehrsmenge eines Produkts - soll zwar höhere
Grenzwerte rechtfertigen, berücksichtigt aber nicht das tatsächliche
Ernährungsverhalten jedes einzelnen Verbrauchers. Personen, die
besonders gerne und häufig bestimmte Produkte wie Lachs, Makrele, Aal
oder Dorschleber verzehren, sind durch die existierenden Höchstmengen
nicht ausreichend geschützt.
foodwatch fordert deshalb: Die Grenzwerte für Dioxine und dl-PCB
müssen nach dem Prinzip des vorsorgenden Gesundheitsschutzes festgelegt
werden. Bisher sind die Grenzwerte für Dioxine in Lebensmitteln
insgesamt zu hoch angesetzt. Die Dioxinbelastung der Bevölkerung in der
EU ist generell zu hoch. Bei besonders stark belasteten Produkten
dürfen nicht etwa die Grenzwerte nach oben korrigiert werden, sondern
die Produkte müssen vom Markt genommen werden. Zudem müssen die
Grenzwerte so gestaltet werden, dass auch Menschen, die belastete
Produkte besonders häufig verzehren, vor einer zu hohen Aufnahme
geschützt sind.
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