
BSE |

07.10.2005
Zunächst befiel die Krankheit Tiere, dann - übertragen durch das Essen - auch Menschen. BSE steht für die Unterlassung sämtlicher Vorsorge-, Überwachungs- und Schutzpflichten von Politikern und Behörden gegenüber den Bürgern. Ein Skandal, der zur Krise wurde, weil Agrarwirtschaft und Politiker statt konsequent zu handeln die Fakten jahrelang ignorierten. Schließlich mussten zwei Bundesminister ihren Hut nehmen. Die Bürger hatten ihren Glauben an die Sicherheit von Lebensmitteln verloren. Die falsche Illusion vom bäuerlichen Landidyll wich der Angst vor einem unbekannten Krankheitserreger. Unser täglich Fleisch war nicht länger Ausdruck segensreichen Wohlstands, sondern unkalkulierbare Gefahr geworden.
Dass BSE-Krankheitserreger über das Tierfutter ins Fleisch gelangen konnten, ist das Ergebnis von Sparversuchen. In Großbritannien wurden die Verarbeitungsbedingungen für Tiermehle verändert. Um Energiekosten zu sparen, wurde Tiermehl weniger hoch erhitzt als zuvor. Die Folge: 184.266 Kühe wurden allein in Großbritannien bis Mitte 2005 positiv auf BSE getestet, in Deutschland 382. In Großbritannien starben bis September 2005 bereits 150 Menschen an der unheilbaren neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (nvCJD). Schätzungen zu der noch drohenden Zahl von Infektionen schwanken stark. Die Zahl der noch nicht ausgebrochenen Erkrankungen lässt sich wegen der langen Inkubationszeit schwer schätzen.
Nach der Entdeckung des ersten BSE-Rindes in Großbritannien 1985 dauerte es ganze 15 Jahre, bis die Europäische Union zum 1. Januar 2001 ein Verfütterungsverbot von Tiermehlen für alle landwirtschaftlichen Nutztiere erließ. Konsequent durchgesetzt wird dieses Verbot in Deutschland bis heute nicht. Tiermehl ist als Düngemittel weiterhin frei verkäuflich. Ob es wirklich auf dem Acker und nicht im Futtertrog landet, lässt sich deshalb nicht ausreichend kontrollieren.
Die BSE-Krise stellt das System der einseitig an den Maßstäben industrieller Massenproduktion ausgerichteten Landwirtschaft und Tierhaltung in Frage. BSE hat zudem deutlich gemacht, dass die Verbraucher eine unabhängige Stimme brauchen. Um sich gegen Missstände zu wehren und um ihre Rechte einzufordern. "Der Verbraucher ist ein schlafender Riese", hat Ulrich Beck gesagt. Der ehemalige Greenpeace-Geschäftsführer Thilo Bode beschloss 2002, diesen Riesen zu wecken - und gründete foodwatch. foodwatch will die Verbraucher mobilisieren und ihnen eine Stimme geben. All denen, die von Nahrungsmittelskandalen genug haben und sich politisch für ihre Rechte stark machen wollen. Durch beispielhafte Kampagnen und mit Hilfe der Öffentlichkeit will foodwatch erreichen, dass unser Essen sicherer und ehrlicher wird. Das fängt bei den Futtermitteln an. Denn hier nehmen Lebensmittelskandale wie BSE oft ihren Anfang.
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