BSE in Europa
07.10.2005
Die Länder Europas reagierten auf den katastrophalen Verlauf der Rinderkrankheit BSE in Großbritannien mit verschiedenen Verordnungen und Gesetzen. Diese richteten sich zunächst gegen Fleischimporte aus England. Später wurden sämtliche EU-Staaten zu strengen Kontrollen verpflichtet. Denn in vielen europäischen Ländern gab es seit 1985 Fälle von BSE auch bei Rindern, die im Land selbst geboren waren.
In den meisten Ländern wurde jedoch nur in wenigen Fällen BSE diagnostiziert. So gab es beispielsweise bis Ende 2004 in Finnlandnur einen BSE-Fall, in Dänemark 14 Fälle, in Polen 20. Die BSE-Infektionen konzentrieren sich - abgesehen vom UrsprungslandGroßbritannien - auf sechs europäische Länder: Frankreich, Deutschland, Irland, Portugal, Spanien und die Schweiz.
Europaweite Gegenmaßnahmen Seit dem 1. Juli 2001 müssen in der Europäische Union (EU) alle über 30 Monate alten Rinder, die für den menschlichen Verzehr geschlachtet werden, mit einem BSE-Schnelltest untersucht werden. Bei notgeschlachteten oder verendeten Tieren liegt diese Grenze bei 24 Monaten. Sämtliche Risikomaterialien müssen bei der Schlachtung entfernt und verbrannt werden. Alle über 24 Monate alten verendeten Rinder werden nach einem bestimmten Stichprobenschlüssel untersucht. Dies schreibt die Verordnung Nr. 999/2001/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Mai 2001 vor. Großbritannien - Ausgangspunkt der neuen KrankheitIn Großbritannien nahm die Rinderseuche 1985 ihren Ausgangspunkt. Ursache war die Verfütterung unzureichend sterilisierten Tiermehls. Das Tiermehl war weniger stark erhitzt worden, um Energiekosten zu sparen. 1988 verfügte Großbritannien ein Verbot der Verfütterung von Tiermehl an Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen). Die Einhaltung des Verbots wurde jedoch nur sehr unzureichend überwacht, die Fallzahlen stiegen. 1992 erreichte die Krankheit mit 37.280 Fällen ihren Höhepunkt. 184.266 BSE-Fälle in GroßbritannienSeit 1996 wir die Einhaltung des Verfütterungsverbots verstärkt überwacht. Seither sind die Fallzahlen in Großbritannien rückläufig. Bis zum 15. Juni 2005 wurden dort insgesamt 184.266 BSE-Fälle nachgewiesen. Im Jahr 2004 waren es noch 343. Immer wieder gibt es in Großbritannien auch Fälle von BSE bei Tieren, die erst nach 1996 geboren wurden. Diese werden mit irrtümlicher oder illegaler Verfütterung von Tiermehl erklärt. Bis September 2005 wurden 111 solcher Fälle bestätigt. Rinder, die am oder vor dem 1. August 1996 in Großbritannien geboren wurden, dürfen nie mehr in die Nahrungskette gelangen. Auch alle über 30 Monate alten Rinder sind nicht für den menschlichen Verzehr freigegeben. Im Zuge dieser Regelung wurden in Großbritannien jährlich 750.000 Rinder getötet und vernichtet. Zudem besteht innerhalb der EU seit März 1996 ein Ausfuhrverbot für britisches Rindfleisch. Aufgrund des Rückgangs der Fallzahlen wird die Aufhebung dieses Ausfuhrverbots für Ende 2005 diskutiert. 945 BSE-Fälle in Frankreich In Frankreich gab es bis Ende 2004 insgesamt 945 BSE-Fälle. Im Jahr 2004 wurden in Frankreich noch 54 Fälle von Rinderwahnsinn festgestellt, erheblich weniger als in den Vorjahren. 2003 waren es noch 137 Fälle gewesen, 2002 waren es 239, 2001 insgesamt 274. Auch in Frankreich gibt es BSE-Fälle bei Kühen, die nach dem Verfütterungsverbot für Tiermehl geboren wurden. Erkrankungen bei MenschenNach einhelliger wissenschaftlicher Meinung kann durch Verzehr von Gewebe BSE-infizierter Rinder beim Menschen die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit hervorgerufen werden (nach der englischen Bezeichnung Creutzfeldt-Jakob-Disease - CJD - abgekürzt als nvCJD). Die Krankheit verläuft stets tödlich. Es gibt bisher weder eine Prophylaxe noch eine Therapie. Der Schwerpunkt der Erkrankungen an nvCJD liegt in Großbritannien. Hier starben bis September 2005 bereits 150 Menschen an nvCJD. Die Anzahl der Erkrankungen in anderen europäischen Ländern ist bisher gering: In Frankreich gab es acht Fälle, in Irland, Italien, Japan, Kanada und den USA jeweils einen Fall. Am 22.04.2005 wurde die Krankheit auch in den Niederlanden bei einer 26 Jahre alten Patientin diagnostiziert.
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