Interview: Qualität bei Biolebensmitteln und "tegut"
15.02.2006
Über die Qualität von Bio-Lebensmitteln sprach foodwatch mit Wolfgang Gutberlet. Der Vorstandsvorsitzende von tegut wurde im Jahr 2005 von dem Wirtschaftsmagazin Capital und der Umweltstiftung WWF zum "Ökomanager des Jahres" gekürt. tegut betreibt über 300 Supermarktfilialen sowie eine eigene Großfleischerei und Bäckerei.
foodwatch: Gibt es Zusatzstoffe in
Bio-Lebensmitteln, zum Beispiel das Konservierungs- und Farbmittel Nitrit oder
das Dickungsmittel Carageen, die sie für problematisch halten?
Gutberlet: Das geltende Recht erlaubt nur
Zusatzstoffe, die technisch unvermeidbar und unabdingbar notwendig sind.
Deshalb ist "problematisch" der falsche Begriff.
foodwatch: Das heißt, alles ist in Ordnung?
Gutberlet: Unsere Strategie ist es,
vorsorglich den Einsatz von Zusatzstoffen in Bio-Lebensmitteln zu minimieren.
Von dem foodwatch Vorschlag, "vermeidbare" Zusatzstoffe extra zu kennzeichnen,
halten wir wenig, denn wären diese Zusatzstoffe vermeidbar, dürften sie nicht
eingesetzt werden!
foodwatch: Wie können Verbraucher verschiedene
Qualitäten auch bei Bio-Lebensmitteln unterscheiden?
Gutberlet: Wir sind gegen staatlich
definierte Qualitätskategorien, wie sie foodwatch vorschlägt. Die verschiedenen
Anbauverbände bieten unterschiedliche Qualitäten an, die über das Bio-Siegel
hinausgehen. Die Verbraucher können schon heute entscheiden, welche Qualität
sie wollen. Unsere Aufgabe ist es, die Verbraucher urteilsfähig für die unterschiedlichen
Qualitäten zu machen.
foodwatch: Besteht da nicht die Gefahr,
dass es zu nicht nachprüfbaren Qualitätsversprechen kommt?
Gutberlet: Die Versprechen und Angebote
müssen natürlich alle nachprüfbar sein. Wir bei tegut verfolgen diese
Transparenz seit langem mit großem Erfolg. Das entspricht unserer Forderung
nach der Übernahme von mehr Verantwortung und Eigenkontrolle der Hersteller und
des Handels.
foodwatch: Könnte man die Kennzeichnung von
Bio-Lebensmitteln verbessern - etwa hinsichtlich Herkunft, Kontrollen,
Qualitätsunterschieden?
Gutberlet: Die Herkunft wäre ein solch
zusätzliches Qualitätsmerkmal. Aber es sollte eben nicht vorgeschrieben werden,
sondern die Hersteller sollten es fakultativ anbieten können. Das Kontrollsystem
des Ökolandbaus ist ausreichend. Insbesondere die fachliche Einbindung der
Kontrollstellen ist für ein funktionierendes Kontrollsystem unerlässlich. Dies muss
auch bei einer Überarbeitung der EU-Bio-Verordnung erhalten bleiben!
foodwatch: In Dänemark und Großbritannien
werden die Bürger offen über Lebensmittelsicherheit informiert. Ein Vorbild für
uns?
Gutberlet: Ja,
diese Informationsmöglichkeiten für Verbraucher sind vorbildlich. Wir halten es
für notwendig, dass das geplante Verbraucherinformationsgesetz der
Bundesregierung den deutschen Verbrauchern diese Informationen zubilligen wird. Eine derartige Transparenz wird die
Qualität des Lebensmittelangebotes erhöhen, weil Verbraucher dann besser
erkennen können, was sie für ihr Geld erhalten.
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