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Parlaments-Beschluss

Pflicht-Angaben zum Nährwert



25.06.2010

Was haben die EU-Parlamentarier vorgeschlagen?

Nach dem Willen der Parlamentarier müssten alle Produkte in Zukunft „im Hauptblickfeld“, also auf der Verpackungsvorderseite, die GDA-Kennzeichnung tragen („Guideline Daily Amount“). Eine Prozentzahl gibt dabei an, welcher Anteil der empfohlenen Tagesaufnahme an Energie, Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz in einer bestimmten Menge eines Lebensmittels steckt. Diese Angaben sollen sich einheitlich auf eine Menge von 100 Gramm bzw. 100 Milliliter beziehen. Auf der Rückseite sollen zusätzlich Angaben zu Eiweiß, Kohlenhydraten, Ballaststroffen sowie künstlichen und natürlichen Transfetten gemacht werden.

Die Parlamentarier wollen keine bestimmte Schriftgröße vorschreiben, sondern formulierten lediglich die Anforderung, dass die Angaben „lesbar“ (bezogen auf Schriftgröße und Kontrast) sein sollten. Die Abgeordneten haben mehrheitlich gegen einen Antrag gestimmt, die Werte für den Tagesbedarf an Zucker, Fett und Salz von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit festlegen zu lassen. Als Werte für die empfohlene Tagesaufnahme sollen stattdessen die von der Lebensmittelindustrie entwickelten Richtwerte übernommen werden.

Und was sagt foodwatch dazu?

Das ist zunächst einmal ein Fortschritt, weil Hersteller bisher nicht verpflichtet waren, auf den Verpackungen überhaupt Angaben zum Nährwertgehalt zu machen. Gut ist auch, dass sich die Angaben auf die einheitliche Menge von 100 Gramm bzw. 100 Milliliter beziehen. So können Hersteller ihre Produkte nicht länger durch unrealistisch kleine Portionen schönrechnen und Kunden können die Angaben auf verschiedenen Produkten vergleichen.

Die Richtwerte, auf denen die GDA-Angaben fußen, sind vom Europäischen Verband der Lebensmittelindustrie (CIAA) selbst festgesetzt worden. Insbesondere der Richtwert für Zucker (eine Aufnahme von 90 Gramm pro Tag) ist wissenschaftlich umstritten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung urteilte über den Zucker-Referenzwert der CIAA: „Es entsteht der Eindruck, dass bei Zucker eine 'günstige' (willkürliche) Berechnung gewählt wurde". Grundsätzlich benötigt niemand Zucker, um sich gesund zu ernähren, anders als gesättigte oder ungesättigte Fettsäuren oder Salz. Es besteht also keinerlei Nontwendigkeit, überhaupt Kohlenhydrate in Form von Zucker zu sich zu nehmen – insofern kann es eigentlich auch keinen „Richtwert für die Tageszufuhr" geben.

Ein großer Fehler aus foodwatch-Sicht ist es, dass auf eine Bewertung des Nährwertgehalts mit den Ampelfarben verzichtet wird. Verschiedene Studien hatten gezeigt, dass die Signale der Ampelfarben am schnellsten verstanden werden; viele verschiedene Stimmen aus dem Gesundheitssektor, Ärzte- und Patientenverbände sowie Krankenkassen, hatten wiederholt die Ampel gefordert. Trotzdem haben sich zwei von drei Parlamentariern dagegen entschieden. Die Wahrscheinlichkeit, dass der EU-Ministerrat die Ampel nun wieder zurück ins Spiel bringt, ist leider nicht groß.