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Ampelkennzeichnung

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Nährwert-Ampel: Damit Lebensmittel Farbe bekennen




Nährwert-Ampel: Damit Lebensmittel Farbe bekennen

24.06.2010

Die Idee ist bestechend: Mit einem einzigen Blick auf Lebensmittelverpackungen sollen Verbraucher erkennen können, wie viel Zucker, Fett und Salz in einem Produkt steckt. Mit den Signalfarben Rot, Gelb und Grün können sie sich schnell über die Höhe der Nährwertgehalte informieren.

 

60 Prozent der Erwachsenen und bereits 20 Prozent der Schulkinder in der EU gelten als übergewichtig oder fettleibig. Millionen Menschen leiden zudem an Bluthochdruck (Hypertonie).  Probleme, die in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen haben – und alleine in Deutschland jedes Jahr mehr als 70 Milliarden Euro Kosten im Gesundheitssystem verursachen. In der deutschen und der europäischen Politik wird daher schon seit Jahren darüber diskutiert, wie Verbraucher transparent und verständlich über den Nährwertgehalt von Lebensmitteln informiert werden können.

 

 

Willi will die Ampel – der Film zur E-Mail-Aktion.

 

Zuckerbomben entlarven

Für die allermeisten Produkte sind bisher keine Nährwertangaben vorgeschrieben. Doch erst wenn die Verbraucher wissen, wie viel Zucker, Fett oder Salz drin steckt, können sie sich eine ausgewogene Ernährung zusammenstellen. Und erkennen, wenn vermeintlich gesunde Kinderdrinks oder angebliche "Fitness“-Produkte in Wahrheit nichts anderes als getarnte Zuckerbomben sind – am besten auf einen einzigen Blick.

Ampelkennzeichnung
Der Kennzeichnungsvorschlag von foodwatch

Genau dazu dient die Ampelkennzeichnung. Dabei werden für jedes Produkt direkt auf der Vorderseite der Verpackung die Gehalte an den wichtigsten Nährwerten (Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz) in absoluten Grammzahlen angegeben. Und zwar einheitlich pro 100 Gramm bzw. 100 Milliliter, damit man verschiedene Produkte miteinander vergleichen kann. Zur leichten Orientierung wird jeder dieser vier Werte mit einer der Signalfarben Rot (für einen hohen Gehalt), Gelb (mittel) und Grün (niedrig) hinterlegt. Das ist so einfach wie möglich und so komplex wie nötig.

 

Gegenmodell der Lebensmittelkonzerne

In Großbritannien haben zahlreiche Handelsketten die Ampelkennzeichnung vor einigen Jahren eingeführt. Die großen Konzerne aus der Lebensmittelindustrie jedoch entwickelten ein Gegenmodell – die Guideline Daily Amounts (GDA) –, um die Ampel zu verhindern.

Die GDA-Angaben bestehen aus schwer verständlichen Zahlen und Prozentwerten. Häufig führen die Angaben in die Irre, weil sie sich nicht auf 100 Gramm beziehen, sondern auf eine willkürliche Portionsgröße. Zum Beispiel auf eine halbe Tiefkühlpizza oder eine Handvoll Kartoffelchips. Mit solchen lebensfremd kleinen Mengen werden die Produkte künstlich schöngerechnet.

Wissenschaft spricht für Ampelfarben

Verbraucherorganisationen, Ärzte- und Patientenverbände sowie Krankenkassen halten das GDA-System für irreführend und fordern die Einführung der Ampelkennzeichnung. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für foodwatch in Deutschland haben sich 69 Prozent der Befragten für die Ampel ausgesprochen. Und auch die Wissenschaft spricht für den Einsatz von rot-gelb-grünen Signalfarben. Das Ergebnis der bislang einzigen umfassenden Studie über Kennzeichnungssysteme in der Praxis, beauftragt von der britischen Food Standards Agency (FSA), lautet: Entscheidend für das Verständnis der Angaben ist die Kombination aus Farben und erklärendem Text (high-medium-low).

Entscheidung in der EU

Nun muss die Politik entscheiden. Nach dem Verordnungsentwurf der Europäischen Kommission sollen Nährwertangaben erstmals verpflichtend vorgeschrieben werden – allerdings nach einem Kennzeichnungsmodell ähnlich des GDA-Systems. Europaabgeordnete aus den Reihen der Sozialdemokraten, Grünen, Linken und Liberalen brachten die Ampelkennzeichnung über Änderungsanträge ein. Im Juni 2010 stimmte das Europäische Parlament jedoch mit relativ knapper Mehrheit gegen die Ampel und für das GDA-System der Industrie. Damit nicht genug: Andere verpflichtende Kennzeichnungssysteme sollten de-facto verboten werden, sogar auf einzelstaatlicher Ebene. Das heißt im Klartext: Die Regierung eines EU-Mitgliedsstaates könnte die Ampelkennzeichnung nicht einmal zusätzlich zum EU-Standard national einführen, egal, ob sie oder eine große Mehrheit der Bürger in ihrem Land das wollten oder nicht.

Eine endgültige Entscheidung wird nicht vor 2011 erwartet. Denn bevor die Verordnung verabschiedet ist, müssen sich Parlament und der Ministerrat, also die 27 zuständigen Fachminister der EU-Staaten, auf einen Text verständigen.

Bundesverbraucherministerin Aigner gegen die Ampel

Die deutsche Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) lehnt es ab, sich gegen das in Brüssel geplante Ampel-Verbot stark zu machen. foodwatch setzt sich dafür ein, dass das nach allen bisherigen Erkenntnissen beste System – nämlich die Ampel – europaweit Pflicht wird. Sollte dies keine Mehrheit finden, darf den EU-Mitgliedsstaaten wenigstens nicht verboten werden, selbst die Ampelkennzeichnung in ihrem Land vorzuschreiben. Wir fordern Frau Aigner dazu auf, im EU-Ministerrat endlich klar Nein zum Ampel-Verbot zu sagen!


Lassen Sie sich das nicht gefallen, schreiben Sie an Frau Aigner!

Ministerin Aigner will der Industrie helfen, eine verbraucherfeindliche Kennzeichnung in Europa durchzusetzen – gegen die überwältigende Mehrheit der Bürger. Lassen Sie sich das nicht gefallen, schreiben Sie an die Ministerin und fordern Sie die Ampel! Jetzt mitmachen »

 
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