Hoher Salzgehalt in vielen Fertigprodukten
10.08.2009
foodwatch hat 22 Produkte auf ihren Salzgehalt untersucht. Fazit: Vor allem Fertiggerichte sind oft extrem salzig – überraschend hohe Werte gab es auch bei Schokolade oder Käse. Die Nährwert-Ampel würde auf einen Blick zeigen, wie viel Salz in manchen Lebensmitteln steckt. Wichtig gerade für Menschen mit Bluthochdruck.
Salz ist ein Elexier des Lebens – der Mensch braucht es zum Überleben. Doch zu viel davon kann der Gesundheit abträglich sein. Insbesondere für Menschen mit Bluthochdruck, immerhin 38 Millionen in Deutschland. Ärzte und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfehlen eine Tageszufuhr an Salz von fünf bis sechs Gramm, schon ein bis 1,5 Gramm gelten als ausreichend. Der tatsächliche Konsum liegt deutlich darüber, bei männlichen Jugendlichen sogar um zehn Gramm Salz am Tag. Verständliche Salz-Kennzeichnung fehltDrei Viertel der täglichen Zufuhr nehmen Verbraucher durch versteckte Salze in zusammengesetzten Lebensmittel zu sich. Wer seinen Salzkonsum reduzieren will, muss also beim Einkauf im Supermarkt beginnen. Das Problem: Meistens können Verbraucher gar nicht erkennen, wie viel Salz in den Lebensmitteln steckt. Wenn verhanden, ist die Nährwertkennzeichnung verwirrend, oft ist nicht der Salz-, sondern der Natriumgehalt angegeben. foodwatch hat daher zum Test 22 Produkte auf ihren Salzgehalt untersucht und mit der Ampelkennzeichnung versehen. Fazit: Das weiße Kristall wird in vielen Fertiggerichten zu großzügig verwendet, aber auch in Süßigkeiten steckt oft mehr Salz als allgemein angenommen.
Der foodwatch-Ampeltest zeigt: Mit dem Verzehr von 100 Gramm der Tütensuppe "Thai Chef Ente" oder einer "Ristorante Pizza Speciale" von Dr. Oetker ist der Tagesbedarf an Salz bereits gedeckt. Die Nährwert-Ampel würde dies durch einen roten Punkt beim Salzgehalt auf einen Blick aufzeigen. Auch Käse, Senf oder Brot liegen oft im roten Bereich. Relativ viel Salz verbirgt sich auch in Produkten, in denen es kaum ein Verbraucher erwartet: Für einen Snickers-Riegel, eine Tafel Milka Alpenmilch-Schokolade oder eine Dose "King's Crown Junge Erbsen mit Möhrchen" springt die Ampel immerhin auf Gelb.
Fotostrecke: So salzig können Lebensmittel sein
Klicken Sie auf ein Bild, um die Fotostrecke zu starten (25 Bilder)
WeightWatchers Asiatische Gemüsesuppe (Sonnen Bassermann)
Bei Fett und Zucker ist zwar alles im grünen Bereich, dafür enthält die WeightWatchers Asiatische Gemüsesuppe aber reichlich Salz und damit einen roten Punkt. Gerade bei fettarmen Produkten wird Salz gerne als Geschmacksverstärker eingesetzt.
Corn Flakes (Kellogg's)
Überzuckerte Müslis sind nichts Neues. Was wohl kaum jemand ahnt: Auf 100 Grammm Kellogg's Corn Flakes kommen 1,8 Gramm Salz – so viel wie bei einer Fertigpizza. Dafür gibt es einen roten Ampelpunkt.
Blütenzarte Köllnflocken (Peter Kölln KGaA)
Dabei geht es auch anders – ganz im Gegensatz zu den Corn Flakes von Kellogg's enthalten Haferflocken kaum Salz und Zucker und sind zum Frühstück die deutlich ausgewogenere Alternative.
Schuhbecks Hühnerfrikassee (SGS Geniesser Service GmbH)
Auch Sterneköche müssen salzen, keine Frage. Aber muss es denn gleich soviel sein, dass die Ampel beim Salzgehalt auf Rot springt, Herr Schuhbeck?
Milka Alpenmilch Schokolade (Kraft)
Schokoloade ist eine fettige und süße Angelegenheit. So weit, so klar. Schon überraschender: Auch für den Salzgehalt bekäme die Alpenmilch Schokolade von Milka einen gelben Ampelpunkt.
GDA-Kennzeichnung bei Milka Alpenmilch Schokolade
Während die Ampel den Salzgehalt gut sichtbar macht, wird in der GDA-Kennzeichung der Natriumgehalt angegeben. Dieser Wert muss mit 2,5 multipliziert werden, um auf den Salzgehalt zu kommen – eine Rechnung, für die die Wenigsten im Supermarkt Zeit haben.
Snickers (Mars)
Und auch dieser Schokoriegel kommt nicht ohne Salz aus. Bei Fett, gesättigten Fettsäuren und Zucker zeigt die Ampel Rot, und bei Salz gibt es immerhin noch einen gelben Punkt.
Eridanous Gyros Reispfanne (COPACK Tiefkühlkost)
Wer seinen Salzkonsum reduzieren möchte, sollte bei der Eridanous Gyros Reispfanne aufpassen: In diesem tiefgekühkten Fertiggericht steckt ziemlich viel Salz drin.
Freshvale Sandwich Pute (H. Kemper GmbH)
Und auch beim Freshvale Sandwich Pute springt die Ampel beim Salzgehalt auf Rot. Schuld sind vor allem die Inhaltsstoffe "Formfleischputenbrust" und Mayonnaise.
Bio-Finn-Brötchen (REWE Handelsgruppe)
Brot braucht Salz: Würde der Bäcker darauf verzichten, würde es nicht nur gewöhnungsbedürftig schmecken, sondern auch eine andere Konsistenz haben. Doch es gibt Unterschiede: Vollkornbrot enthält mehr Salz als Weißbrot. Für die Bio-Finn-Brötchen gibt es einen roten Ampelpunkt.
Leicht&Cross Knusperbrot Weizen (Griesson-de Beukelaer)
Das Knäckebrot "Leicht&Cross" ist keineswegs ein Leichtgewicht. Für den Salzgehalt gibt es einen roten Punkt, und außerdem drei gelbe Ampelpunkte für Fett, gesättigte Fettsäuren und Zucker.
Dressing So Leicht Kräuter Cremig (Kraft)
Und auch das vermeintlich "so leichte" Salatdressing von Kraft hat es ganz schön in sich: Neben Zucker gibt es auch für den Salzgehalt einen roten Ampelpunkt. Leichte Kost sieht anders aus.
Dressing So Leicht Kräuter Cremig (Kraft)
Nicht gut sichtbar auf der Vorderseite, sondern versteckt auf der Rückseite hat Hersteller Kraft die Nährwertangaben plaziert. Auch wenn die Tabelle vor Zahlen strotzt, mangelt es vor allem an einem: Übersichtlichkeit.
Linessa Light Bierschinken (H. Kemper GmbH)
Kaum Fett, aber ziemlich viel Salz: Beim Linessa Light Bierschinken steht die Ampel für den Salzgehalt auf Rot. Soll so die Reduktion des Geschmacksträgers Fett ausgeglichen werden?
Heiden mittelscharfer Tafel-Senf (v.d. Heiden Düsseldorfer Senf GmbH)
Mittelscharf, aber bestimmt nicht mittelsalzig: Senf hat es ganz schön in sich. Für 5,3 Gramm Salz auf 100 Gramm gäbe es einen roten Punkt. Die Ampel wäre ein klares Signal.
Ristorante Pizza Speciale (Dr. Oetker)
Pizza Speciale von Dr. Oetker, belegt mit zwei Sorten Salami und Schinken – kein Wunder, dass die Ampel beim Salz auf Rot springen würde. Für Fett und gesättigte Fettsäuren gäbe es jeweils einen gelben Punkt.
Holland-Gouda jung (A&P)
Käse ohne Salz gibt es nicht, aber in manchen Sorten ist der Salzgehalt höher als in anderen. Je reifer der Käse, desto höher der Salzgehalt. Doch auch der junge Gouda ist nicht ohne, wie die Ampel zeigt.
Harzbube Handkäse mit Kümmel (Käserei Loose GmbH)
Doppelt so viel Salz wie im Gouda steckt im Harzbube Handkäse. Der enthält zwar kaum Fett und gesättigte Fettsäuren, ist dafür aber eine ziemlich salzige Angelegenheit.
Pottkieker Pfeffer-Ragout (BUSS GmbH)
Beim Pfeffer-Ragout scheint der Hersteller kräftig nachgewürzt zu haben – und zwar vor allem mit Salz. Eine deftige Mahlzeit, wie die Ampel sofort erkennen lässt.
FarmerSchinken Virginia (Herta)
Auch wenn es für Fett, gesättigte Fettsäuren und Zucker grüne Punkte gibt, sieht die Ampel beim Salzgehalt für den FarmerSchinken Virginia von Herta rot.
GDA-Kennzeichnung beim FarmerSchinken Virginia
In der Nährwerttabelle auf der Verpackung ist der Salzgehalt nicht angegeben – nur der Natriumwert in der unteren Spalte.
King's Crown Junge Erbsen mit Möhrchen (C. Oostrom's Conservenfabrieken B.V.)
Wer denkt, in der Erbensdose würden sich nur Erbsen und Wasser befinden, der irrt. Auch Zucker und Salz wurden schon hinzugegeben. Beim Salz gibt es dafür sogar einen gelben Ampelpunkt.
Ofterdinger Feinschmecker-Salat (Bon Fraiche GmbH)
Nichts für feine Geschmacksnerven: der Salzgehalt im Ofterdinger Feinschmecker-Salat von Bon Fraiche. Mit 1,9 Gramm Salz auf 100 Gramm ist der nämlich eine ziemlich würzige Angelegenheit.
finesse Kräuter-Cremesuppe (BUSS GmbH)
Nachsalzen nicht mehr nötig: Die finesse Kräuter-Cremesuppe enthält schon von Haus aus viel Salz. Mit der Ampelkennzeichnung würde das auch jedem Verbraucher im Supermarkt sofort auffallen.
Thai Chef Ente (Thai President Foods Public Company Limited)
Auch wenn es so aussieht: Nach Ente sucht man in der Instant Nudelsuppe "Thai Chef Ente" vergeblich. Für den Geschmack sorgen Geschmacksverstärker. Und Salz. Ziemlich viel Salz sogar. Jetzt mitmachen für die Einführung der Ampelkennzeichnung!
Wie die Fotostrecke belegt, könnte die Lebensmittel-Ampel Abhilfe schaffen. Sie signalisiert den Verbrauchern auf einen Blick den Salzgehalt eines Produktes. Das ist besonders wichtig für Menschen, die an einem zu hohen Blutdruck oder an Herz- und Kreislaufproblemen leiden. Für sie kann eine verständliche Nährwertinformation gesundheitsrelevant sein. Auch deshalb setzt sich foodwatch für die Ampel ein. Unterstützen Sie unsere Forderung nach der Ampelkennzeichnung – jetzt in unserer Online-Mitmachaktion!
Sie wollen die Ampel? Gemeinsam schaffen wir es!
Die Lebensmittelindustrie will die Ampelkennzeichnung verhindern, weil sie Umsatzeinbußen befürchtet. Damit steht sie gegen zwei Drittel der Verbraucher, die eine Ampel wollen. Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, damit die Ampel bald auf allen Produkten steht – unterstützen Sie uns dabei, werden Sie Förderer! Nur wenn wir viele sind, können wir viel erreichen. Förderer werden»
|