
Wenn Lightprodukte schwer im Magen liegen
23.01.2009
Lightprodukte machen rank, schlank und glücklich, suggeriert die Werbung. Mit der Ampelkennzeichnung würde jedoch entlarvt, dass einige Lightprodukte es in sich haben: Obwohl der Gehalt an Fett oder Zucker im Vergleich zu normalen Produkten geringer ist, enthalten sie noch so viel davon, dass die Ampel Rot zeigt.
foodwatch hat 13 Lightprodukte mit der Ampelkennzeichnung versehen. Ergebnis: Bei 11 von ihnen (rund 85 Prozent) steht die Ampel entweder bei Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker oder Salz auf Rot. Die "Streichzarte Teewurst light" von Aldi bekommt sogar drei rote Ampeln. Viele Lightprodukte sind also kein Freifahrtschein fürs hemmungslose Schlemmen. Doch mit ihren verheißungsvollen Versprechen von Fitness und Gesundheit vermitteln die Hersteller genau das und verleiten damit zu falscher Sorglosigkeit.
Mit einer verpflichtenden Ampelkennzeichnung könnten Verbraucher als fettarm beworbene Zuckerbomben auf einen Blick durchschauen. Darum macht die Lebensmittelindustrie massiv Lobbyarbeit gegen die Ampelkennzeichnung. Und darum setzt sich foodwatch dafür ein. Zeigen Sie den Politikern, dass die Verbraucher die Ampel wollen - fordern Sie jetzt online die Ampelkennzeichnung!
Fotostrecke: So viel Fett, Zucker und Salz enthalten Lightprodukte
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Streichzarte Teewurst light (Ponnath GmbH, gekauft bei Aldi)
Da kriegt die Wurst ihr Fett weg: Drei rote Ampelpunkte für Fett, gesättigte Fettsäuren und Salz gibt es für die angeblich "leichte" Teewurst von Aldi. Ein Lightprodukt, das schwer im Magen liegt – auch wenn der Fettgehalt niedriger ist als bei herkömmlicher Teewurst.
Activia Erdbeere mit 0,1% Fett (Danone)
Mit 0,1 Prozent enthält "Activia" von Danone zwar weniger Fett als der normale Joghurt mit einem Gehalt von 2,9 Prozent. Eine gelbe Ampel bei Zucker würde jedoch auf einen Blick verständlich zeigen, dass das Produkt immer noch recht viel Zucker enthält.
Der Kennzeichnungsvorschlag der Industrie: Die GDA
So stellen sich die Lebensmittelhersteller die (für sie) optimale Kennzeichnung vor: Farben, die nichts bedeuten, und Zahlenangaben, die man nicht versteht – die sogenannte GDA-Kennzeichnung (Guideline Daily Amount). Die Ampelkennzeichnung lehnt die Industrie rigoros ab.
Lätta extra fit mit Buttermilch (Unilever)
Die schlanke Silhouette und der Zusatz "extra fit mit Buttermilch" können Verbraucher darüber hinwegtäuschen, dass die "Lätta"-Margarine immer noch zu 28 Prozent aus Fett besteht. Die rote Ampel wäre dagegen ein klares Signal.
Brunch Légère 15% Fett Classic (Unilever)
Das Beispiel "Brunch Légère" zeigt, dass die Ampel durchaus differenziert: Im Vergleich zu "Lätta extra fit" enthält Brunch nur halb so viel Fett und verdient sich damit die Farbe gelb. Mit der Ampel wäre schnell klar, welches der Produkte die fettärmere Wahl ist.
Chipsfrisch leicht Paprika (funny-frisch)
Mit der GDA können die Hersteller ihre Produkte schönrechnen. Wie das geht? Indem man zum Beispiel so tut, als ob niemand mehr als eine Handvoll Chips isst. Eine Tüte "Chipsfrisch leicht" enthält 150 Gramm – die GDA-Angaben beziehen sich aber auf eine Portion von 25 Gramm.
Cremissimo leichter Genuss Aprikose-Mango mit Joghurt (Langnese)
Mit dem Hinweis "Leichter Genuss" gibt Langnese ein falsches Signal: Zwar enthält das Eis nur fünf Prozent Fett. Wie klassische Eissorten auch besteht es jedoch zu fast einem Drittel aus Zucker – und bleibt damit auch in der Light-Variante eine Süßigkeit.
Curry Gewürz Ketchup light (Heinz)
Der leichte Curry-Ketchup von Heinz enthält 30 Prozent weniger Zucker als klassischer Ketchup – und gleicht den geringeren Zuckergehalt lobenswerter Weise nicht durch Süßungsmittel aus. Trotzdem enthalten 100 Gramm immer noch etwa sechs Stück Würfelzucker.
Die leichte Rolle (Meggle)
Die "leichte Rolle" von Meggle enthält zwar 33 Prozent weniger Fett als herkömmliche Kräuterbutter. Trotzdem ist ihr Fettgehalt mit 41 Prozent vermutlich höher, als viele es von einer "leichten Rolle" erwarten würden.
Special K 1,5% Fett (Kellogg's)
Kellogg's verspricht ein "Diät-freies Leben" durch "Special K". Fakt ist: Wer regelmäßig "Special K" isst, lebt garantiert Diät-frei. Denn der Zuckergehalt ist doppelt so hoch wie bei klassischen Cornflakes und damit jeder Diät abträglich. 100 Gramm Flakes enthalten etwa sechs Stück Würfelzucker.
Thomy légère - leichter als Remoulade (Thomy)
Der Hersteller hat zwar den Fettgehalt um rund 85 Prozent reduziert, dafür jedoch ist der Salzgehalt von "Thomy légère" mehr als doppelt so hoch wie bei der "normalen" Remoulade von Thomy. So soll offenbar der Verlust des Geschmacksträgers Fett ausgeglichen werden.
GDA-Kennzeichnung bei Thomy
Auch Thomy benutzt bereits die GDA-Kennzeichnung (Guideline Daily Amount), welche die Industrie europaweit durchsetzen will. Zum Salzgehalt findet sich hier gar keine Angabe. Und wer weiß schon, dass sich dieser durch Multiplikation mit 2,5 aus dem Natriumgehalt errechnen lässt?
Der Cremige 0,1% Fett (Weihenstephan)
"0,1% Fett" prangt auf der Packung vom Weihenstephan-Joghurt "Der Cremige". Also sorglos schlemmen? Nicht unbedingt, denn der Zuckeranteil liegt immer noch im gelben Bereich. Nur hingewiesen wird darauf auf der Verpackung nicht.
WeightWatchers Premium Salami 17% Fett (Aoste SB GmbH)
Fettreduziert? Ja. Nur leider ist der Salzgehalt mit 2,8 Gramm pro 100 Gramm nach wie vor sehr hoch. Dafür gibt es einen roten Ampelpunkt. Und auch die gesättigten Fette liegen im roten Bereich – die Ampel würde das auf einen Blick zeigen.
Well You Käseaufschnitt leicht 16% Fett absolut (Kaufland)
"Leckeren Käse auf die leichte Art" verspricht der "Well You Käseaufschnitt leicht" von Kaufland. Ganz so leicht wird es aber doch nicht, wie die Ampel zeigen würde: Gelb bei Fett und Rot bei gesättigten Fettsäuren.
GDA-Kennzeichnung auf "Well you Käseaufschnitt leicht" (Kaufland)
"8%" zeigt die GDA-Kennzeichnung für den leichten Käse von Kaufland bei Fett. Mit dieser Angabe können viele Verbraucher nichts anfangen. Sind acht Prozent viel oder wenig? Die Ampelkennzeichnung wäre dagegen auf einen Blick verständlich. Deshalb: Mitmachen und die Ampel fordern!
Die Details: Wie die Hersteller den Trend zum "leichten" Leben nutzen und ab wann sich Produkte "light" nennen dürfen. mehr»
Fitness und Wellness liegen im Trend – das will die Lebensmittelindustrie in bare Münze umwandeln. Und die Verbraucher greifen gerne zu, wenn Produkte ihnen leichten Genuss und ein gesundes Leben versprechen. Die Nachfrage nach Gesundheits- und Wellness-Produkten beispielsweise ist zwischen 2002 und 2006 um 23 Prozent gewachsen. Doch welche Produkte dürfen überhaupt als "light" vermarktet werden?
Welche Produkte dürfen "leicht" heißen?
Produkte, die Bezeichnungen wie "leicht", "light" oder Ähnliches tragen, müssen mindestens 30 Prozent weniger Fett beziehungsweise Zucker enthalten als herkömmliche Produkte. Dabei muss erkennbar sein, ob sich die Bezeichnung auf den Fett- oder den Zuckergehalt bezieht. Als "energiereduziert" dürfen Produkte dann bezeichnet werden, wenn der Brennwert (Kaloriengehalt) um mindestens 30 Prozent vermindert ist. Dabei müssen die Eigenschaften angegeben werden, die zur Senkung des Brennwertes führen.
Einige Lightprodukte haben es in sich...
Doch wie leicht sind die Lightprodukte wirklich? foodwatch hat 13 "leichte" Lebensmittel näher untersucht und für sie eine Ampelkennzeichnung erstellt, wie sie in Großbritannien auf vielen Produkten verwendet wird. Fazit: Drei der 13 Lightprodukte haben einen hohen Zuckerwert, vier enthalten sehr viel Salz und fünf weisen hohe Gehalte an gesättigten Fettsäuren auf. Vier Light-Lebensmittel enthalten immer noch so viel Fett, dass die Produkte dafür eine rote Ampelfarbe erhalten würden. Die "Streichzarte Teewurst light" von Aldi beispielsweise bekäme für ihren Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren und Salz gleich drei rote Ampelpunkte.
Weniger Fett, dafür mehr Salz
Besonders irreführend: Häufig enthalten so genannte "Light"-Produkte besonders viel Salz oder Zucker. Offenbar muss kräftig nachgewürzt werden, weil der Geschmacksträger Fett reduziert wurde. So wurde bei "Thomy légère – leichter als Remoulade" zwar der Fettgehalt um rund 85 Prozent reduziert, gleichzeitig aber ist der Salzgehalt mit 3,1 Gramm pro 100 Gramm mehr als doppelt so hoch wie bei der "normalen" Remoulade von Thomy.
"Special K"-Flakes von Kellogg's: Zuckerdiät?
Kellogg's wirbt für "Special K"-Flakes mit dem Hinweis "1,5% Fett" und empfiehlt "7 Schritte in ein Diät-freies Leben". Wichtigster Schritt ist natürlich, regelmäßig "Special K" zu essen. Wer das tut, lebt tatsächlich Diät-frei - denn eine Zuckerdiät kann nicht funktionieren. Mit 17 Gramm Zucker pro 100 Gramm enthalten 100 Gramm "Special K" rund sechs Stück Würfelzucker. Klassische Cornflakes aus dem Hause Kellogg's kommen dagegen mit weniger als der Hälfte aus. Mehr Produktbeispiele siehe Fotostrecke.
Ampelkennzeichnung würde Orientierung bieten - auch bei Lightprodukten
Eis bleibt eine Süßigkeit, auch wenn es "leichter Genuss" heißt. Und "leichte" Chips sind immer noch fettig. Durch die Bezeichnung "leicht" verleiten diese Lebensmittel aber zu falscher Sorglosigkeit: Der Verbraucher gewinnt den Eindruck, hier endlich mal ohne Einschränkung zulangen zu dürfen. Was wirklich in manchen Lightprodukten steckt, erschließt sich den Verbrauchern bisher – wenn überhaupt - nur nach gründlichem Zahlenstudium. Auch die von der Lebensmittelindustrie propagierte GDA-Kennzeichnung mit Zahlen- und Prozentangaben ist dabei keine Hilfe. Die Ampelkennzeichnung würde dagegen auf einen Blick enthüllen, ob sich hinter dem fettreduzierten Lightprodukt eine Zuckerbombe versteckt.