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Das ist der Vorwurf: Nur Produkte mit wenig Fett, Zucker oder Salz stellten keine ausgewogene Ernährung dar. Die Ampel sei damit sogar gesündheitsschädlich, weil sich ältere Menschen, Untergewichtige oder Magersüchtige falsch ernährten.
Das ist richtig: Was die Lebensmittelindustrie bei dieser Argumentation gegen die Ampel nicht erwähnt: Jeder zweite Erwachsene und rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gelten als übergewichtig. Dies ist ein massives Gesundheitsproblem und kostet die Gesellschaft nach Angaben der Bundesregierung jedes Jahr rund 70 Milliarden Euro. Falsche Ernährung gehört zu den wesentlichen Ursachen für diese Volkskrankheit. Es wäre der Gesundheit also gewiss nicht abträglich, die Menschen transparent über den Zucker- und Fettgehalt zu informieren, damit sie auf ihren eigenen Wunsch hin zu schlankeren Produkten greifen können. Angesichts von 38 Millionen Bundesbürgern mit Bluthochdruck ist auch eine Information über den Salzgehalt gesundheitsrelevant.
Die Gesetzliche Krankenversicherung hat sich aus diesen Überlegungen heraus klar für die Ampelkennzeichnung ausgesprochen, genauso wie die Bundesärztekammer und verschiedene Patientenorganisationen – ein Schritt, der geradezu absurd wäre, wenn durch diese Kennzeichnung Fehl- und Mangelernährung zur Folge hätte.
Die Ampelkennzeichnung ist nicht die einzige Informationsquelle für Lebensmittel, und sie schreibt niemandem eine bestimmte Ernährungsweise vor. Sie liefert leicht verständlich die Informationen, die Verbraucher erst in die Lage versetzen, auf eigenen Wunsch hin ihre Ernährung auf eine bestimmte Menge an Zucker Fett oder Salz auszurichten. Es gibt keine Empfehlung, nur noch Produkte mit ausschließlich grünen Ampelfarben zu verzehren – und die Erfahrungen mit der Ampelkennzeichnung in Großbritannien zeigen, dass die Verbraucher sich so auch nicht verhalten. Für eine ausgewogene Ernährung wäre es ratsam, Lebensmittel mit roten Ampelfarben nur in Maßen zu konsumieren. Je nach persönlichem Bedarf kann die Ampelkennzeichnung beim Einkauf gezielt eingesetzt werden: Menschen mit Bluthochdruck können auf grüne Salz-Punkte achten, Menschen mit Untergewicht auf in den Kategorien Fett oder Zucker gelb oder rot gelabelte Produkte.
Aus einer Information über den faktischen Nährwertgehalt von Lebensmitteln ein Gesundheitsrisiko abzuleiten, ist absurd. Dass Menschen, die zum Beispiel an Magersucht erkrankt sind, geholfen werden muss, steht dabei außer Frage. Dies sollte jedoch nicht geschehen, indem Menschen gehaltvolle Produkte als vermeintliche Schlankheits- oder Fitnessprodukte untergejubelt werden.