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Das ist der Vorwurf: Durch die Ampelkennzeichnung werde den Verbrauchern eine bestimmte Ernährungsweise aufgezwängt – Produkte wie Schokolade würden den Menschen madig gemacht.
Das ist richtig: Die Ampel bringt Nährwertinformationen gut sichtbar und leicht verständlich auf den Produktverpackungen an. Wer sich nicht dafür interessiert, kann diese Informationen ignorieren – genauso, wie er auch heute schon über die Zutatenliste hinwegsehen kann.
Bevormundung ist es dagegen, Kunden diese Art von Information vorzuenthalten. Irreführende Werbung kann Verbraucher ungewollt zum Kauf verleiten – wenn er sich beispielsweise für ein vermeintliches "Fitness"-Produkt entscheidet ohne erkennen zu können, dass dies tatsächlich eine Zuckerbombe ist. Das Ergebnis dieser Intransparenz ist, dass viele Menschen Produkte kaufen, weil sie diese für "leichter" als andere halten, obwohl sie es nicht unbedingt sind. So hatte die Mehrheit der Verbraucher in einer Studie des Marktforschungsinstitutes GfK im Auftrag von foodwatch beim Vergleich zweier Produkte mit der Industriekennzeichnung das zuckerreichere für das zuckerärmere gehalten. Verständliche Angaben und die Vergleichbarkeit der Nährwertkennzeichnung für alle Produkte ist also eine Voraussetzung für bewusste Kaufentscheidungen.
Die Ampelkennzeichnung informiert in absoluten Grammzahlen (immer einheitlich pro 100 Gramm), wie viel Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren und Salz in einem Produkt stecken. Sie trifft aber keine Aussage darüber, wie viel der jeweiligen Nährwerte ein Verbraucher am Tag zu sich nehmen soll. Ernährung ist etwas so Individuelles, dass dies jeder Mensch für sich selbst festlegen muss. Im Gegensatz dazu ist die Industriekennzeichnung nach dem GDA-System tatsächlich bevormundend: Hier hat die Industrie selbst "empfohlene Tagesmengen" definiert. Ein Prozentwert informiert darüber, wie viel dieser Menge erreicht wird. Nur: Die – in Teilen wissenschaftlich auch noch umstrittenen – Empfehlungen gelten nur für eine erwachsene Frau. Wer sich viel bewegt oder besonders groß ist, hat einen höheren, kleine Kinder zum Beispiel einen niedrigeren Nährwertbedarf. Das Ergebnis ist irreführend: So signalisiert die GDA-Angabe auch auf Kinderlebensmitteln, dass diese zum Beispiel 20 Prozent der Tagesmenge an Fett decken – tatsächlich liegt der Anteil jedoch bei kleinen Kindern deutlich höher, weil sie einen viel niedrigeren Bedarf haben.