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Das ist der Vorwurf: Ein rotes Ampelsignal auf Lebensmitteln bedeute "Stopp, nicht essen!" Mit auch nur einer roten von vier Ampeln werde ein Produkt zum Ladenhüter.
Das ist richtig: Die Nährwert-Ampel spricht keine Verbote aus. Rot ist lediglich das Signal für einen hohen Gehalt am jeweiligen Nährwert, im Unterschied zu Gelb (mittlerer Gehalt) und Grün (niedriger Gehalt). Lebensmittel, die zum Beispiel viel Zucker enthalten, sind deswegen nicht tabu. Wer allerdings beim Großeinkauf an der Kasse in seinem Einkaufswagen nur Rot sieht, hat etwas falsch gemacht – vorausgesetzt, er will sich ausgewogen ernähren.
Wissenschaftliche Erkenntnis zeigt: Eine Kennzeichnung muss erklärt werden. Daher stehen auch die Ampelfarben nicht alleine, sondern in Kombination mit dem Text "hoch", "mittel" und "niedrig". Die bislang einzige umfassende Studie zum Verständnis verschiedener Kennzeichnungssysteme in der Praxis, beauftragt von der britischen Lebensmittelbehörde FSA, hat ergeben: Mit der Kombination aus Signalfarben und Text ist das Verständnis am höchsten.
Wie wenig das Argument Rot gleich Stopp mit der Realität zu tun hat, zeigt übrigens auch der Umgang der Industrie mit der Farbe Rot. Auf Produktverpackungen wird sie schon heute gerne und häufig eingesetzt – und zwar mit durchaus positiv gemeinter Bedeutung.
Nur zwei Beispiele: Nestlé druckt auf den Früchstücksflocken "Fitness Fruits" ein Siegel "Fettarm" ab – es ist in Feuerrot gehalten. Kellogg's hat gleich die ganze Packung seiner "Smacks" knallrot gestaltet. Zu allem Überfluss druckt der Konzern auch noch eine "Gesundheitspyramide" auf der Pappschachtel ab. Die Farbe Rot steht hier für "ausgewogene Ernährung" – und keineswegs für "nicht essen". Und dass der Konzern die Firmen-Internetadresse eigens mit einem signalroten Balken hinterlegt soll wohl auch nicht bedeuten: "Stopp! Auf diese Seite nicht surfen!" Auch die Industrie setzt Rot also als Signalfarbe ein, nicht aber als Stoppsignal.