
Spirituosenmarkt |

30.05.2005
Der Pro-Kopf-Verbrauch von Hochprozentigem ist von über sieben auf weniger als sechs Liter im Jahr 2003 gesunken. Von einzelnen Modeschnäpsen abgesehen sind "harte Sachen" kaum noch angesagt.
Mit den bunten Flaschen wollen die Spirituosenhersteller ihre Umsätze wieder ankurbeln. Die langfristige Strategie: Das Markenbewusstsein junger Leute nutzen, um sie auch beim Alkohol auf bestimmte Produkte zu eichen. Wer in jungen Jahren Alkopops wie Bacardi RiGo trinkt, greift später auch zu anderen Bacardi- Produkten, so das Kalkül der Marketingstrategen. Weil gerade junge Menschen den strengen Geschmack von Alkohol nicht mögen, kommen die Hersteller auf folgenden Dreh: Rum, Whiskey oder Wodka wird als harmlose Limo verpackt. Extreme Süße und Aromen überdecken den bitteren Schnaps.
Werbung im Stil von Musik-Videoclips, Event-Partys und Konzert- Sponsoring sorgen für ein junges Image der Getränke. Vor allem mit der Marketingmasche "Sex sells" machen die Hersteller auf ihre Produkte aufmerksam. Überwiegend drehen sich die Werbebotschaften für Alkopops um das für Heranwachsende besonders wichtige Thema "Erfolg beim anderen Geschlecht".
In der Phase der Markteinführung pumpen führende Markenhersteller wie Bacardi (RiGo, Breezer) und Diageo (Smirnoff Ice) dreistellige Millionenbeträge in die Vermarktung. Die international agierenden Hersteller lassen die Alkopops-Welle über den Globus rauschen: Nach den USA, Großbritannien, Frankreich und der Schweiz ist Deutschland an der Reihe. Zunächst geht das Kalkül auf: Die neuen Getränke sind "in". Doch nicht nur bei jungen Erwachsenen. Schon 13- bis 15-jährige greifen zu den bunten Flaschen, wie Konsumstudien zeigen.
Die Alkopops läuten eine Trendwende ein: Zur Zeit des Alkopop-Booms 2002/2003 meldet die Lebensmittelzeitung Absatzsteigerungen der Spirituosenindustrie von 50 Prozent.
Der Boom der Alkopops ist dabei keine zufällige Entwicklung. Nur durch massive Investitionen der Spirituosenhersteller in das Marketing und den Vertrieb für die Getränke kommt die Welle ins Rollen.