
Anfragen |

28.06.2004
Es beginnt bei der Frage, an wen ich mich überhaupt wenden kann. Nicht selten geben Hersteller von Discountprodukten nur Postanschriften an und sind nicht einmal in Telefonverzeichnissen gelistet, etwa die "Frische Team Lebensmittel-Vertriebs GmbH" in Aldrup. Nur wer weiß, dass in dem Örtchen der Kartoffel-Gigant "Stöver" residiert, kommt überhaupt an eine Telefonnummer. Zumindest erfährt der Verbraucher von der dortigen Qualitätssicherung, dass die Produkte des Hauses "deutlich unter dem Signalwert" belastet seien. Er muss allerdings selbst wissen, dass der Signalwert kein Grenzwert für Unbedenklichkeit ist. Denn diese gibt es bei krebsverdächtigen Stoffen nicht.
Bei "Pringles" von "Procter&Gamble" ist die Kontaktaufnahme leichter - von elf Produkten ist es das einzige mit einer aufgedruckten Kundentelefonnummer. Der Frau im Callcenter ist das Wort Acrylamid jedoch noch nicht begegnet: "Wie heißt der Stoff noch mal?" Nach einiger Tipperei muss sie passen: "Ich hab' das nicht im System".
Anders der Verbraucherservice von "Lorenz Bahlsen", da ist Acrylamid sehr wohl bekannt. Aber statt aktueller Belastungswerte erfährt der Verbraucher, dass Messwerte keine Aussagekraft hätten und es wird versucht, das Problem herunterzuspielen. Bei "Intersnack" ("Chio", "funny frisch"), ist gerade "viel los". Es wird versprochen, dass sich jemand Kompetentes wieder meldet. Aber man kann sich die Zeit bis dahin ja mit neckischen Spielchen auf der Website vertreiben. Wer als Verbraucher bei den Chipsherstellern Infos sucht, findet allerhöchstens unter "Presse" abwiegelnde Stellungnahmen.
Bei der niederländischen Vertriebsfirma "FZ Organic Food" der Biochips sind ebenfalls keine Messwerte zu bekommen. Dagegen nimmt man sich Zeit zu erläutern, wie die hohen Acrylamidwerte bisher zustande gekommen seien und bekommt "wertvolle" Tipps wie: "Esst nicht die Chips mit besonders dunklen Stellen". Und der Verbraucher erfährt, dass gerade neuartige Chips auf den Markt kommen. Hauptsächlich werden sie als "light"-Produkt vermarktet. Bei 130 Grad gebacken, soll angeblich auch kein Acrylamid mehr enthalten sein. Das sei das spezielle Argument für die besonders kritischen Deutschen. Doch auch die bisherigen Produkte werden in Deutschland und europaweit weiter verkauft...
Nach zwei Jahren Bekanntheit des Acrylamid-Problems wirft der Umgang der Chipshersteller mit telefonischen Kundenanfragen kein gutes Licht auf die Lebensmittelbranche. Fußballpromotions und Handy-Gewinnspiele sind den Chipsproduzenten offensichtlich wichtiger als Verbrauchersorgen.